Trotz Personalhoheit schlechtes Betreuungsverhältnis an Unis

25. Jänner 2010, 15:01
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Rechnungshof untersuchte Auswirkungen der Autonomie - Beim wissenschaftlichen Personal 42 Prozent nur nebenberuflich tätig - Kritik an Prämien für Rektoren

Wien - Das 2004 in Kraft getretene Universitätsgesetz 2002 hat den Unis u.a. im Personalbereich einen weitgehend autonomen Handlungsspielraum eröffnet. Keine Auswirkungen hatte diese Personalhoheit aber auf die Betreuungsrelationen, diese blieben "weiterhin ungünstig". Zu diesem Schluss kommt der Rechnungshof (RH) in einem am Montag veröffentlichten Bericht, in dem die Folgen der Personalhoheit auf die Gesamtkostensituation von Universität Wien und Wirtschaftsuniversität (WU) Wien untersucht wurden.

Betreuungsrelation nicht gelungen

Beide Unis hatten sich in ihren Leistungsvereinbarungen mit dem Bund (2007-09) eine Verbesserung der Betreuungsrelationen vorgenommen. Laut RH ist das nicht gelungen. An der Uni Wien konnte zwar die Steigerung der Studentenzahl durch mehr Lehrpersonal aufgefangen werden. Dennoch kamen 2008/09 noch immer 190,7 Studenten auf einen Professor (2006: 192 Studenten) bzw. 32,2 Studenten auf einen Lehrenden (2006: 32,1).

Dramatische Situation an der WU

Noch dramatischer ist die Situation an der WU: Diese "wies nicht nur die mit großem Abstand schlechteste Betreuungsrelation aller österreichischen Universitäten" auf, wie es im Bericht heißt, sondern es verschlechterten sich auch diese Relationen entgegen der Zielsetzung. Der Grund: Der Anstieg bei der Studentenzahl konnte durch die Zuwächse beim Lehrpersonal nicht wettgemacht werden. So kamen 2008 bereits 330,9 Studenten auf einen Professor bzw. 44,8 auf einen Lehrenden, 2006 waren es erst 296,3 bzw. 42,7.

Von 2004 bis 2008 erhöhte sich der Personalaufwand an der Uni Wien um 73 Mio. Euro (plus 36 Prozent), an der WU um 14,3 Mio. Euro (plus 29 Prozent). Gemessen am Gesamtaufwand stieg der Anteil der Personalkosten in diesem Zeitraum an der Uni Wien von 57 auf 60 Prozent, an der WU blieb er mit rund 63 Prozent ungefähr gleich. Die Anzahl der Vollbeschäftigungsäquivalente (VBÄ) des haupt- und nebenberuflichen Uni-Personals nahm um 21 Prozent an der Uni Wien und um 18 Prozent an der WU Wien zu.

An beiden Unis gehörten Ende 2008 rund zwei Drittel der Uni-Mitarbeiter dem wissenschaftlichen Personal an, der Rest dem allgemeinen Personal - eine Aufteilung, die sich seit 2004 kaum geändert hat. Bemerkenswert ist, dass an beiden Unis "ein nicht unbeträchtlicher Anteil des wissenschaftlichen Personals", nämlich rund 42 Prozent, von "nebenberuflichen wissenschaftlichen Mitarbeitern (Lehrbeauftragten, Drittmittelbeschäftigten, etc.)" gestellt werden.

Kritik an Prämien

Kritisiert wird vom RH, dass an Rektoren und Vizerektoren Prämien, die an die Erreichung bestimmter Ziele gebunden waren, ausbezahlt wurden, obwohl das Ausmaß der Zielerreichung durch einzelne Rektoratsmitglieder "weder dokumentiert noch quantifiziert" war. Zufrieden zeigte sich das Kontrollorgan, dass die beiden Unis die durch die Autonomie bestehende Gestaltungsfreiheit nutzten und bei den Entgeltvereinbarungen marktwirtschaftlich vorgingen. So bewegten sich etwa die Bezüge von 71 Prozent (Uni Wien) bzw. 80 Prozent (WU) der seit 2005 aufgenommenen Professoren in der unteren Hälfte der Gehaltspyramide. (APA)

  • An der WU Wien ist das Betreuungsverhältins Professoren zu Studenten besonders schlecht, kritisiert der Rechnungshof.
    foto: hendrich

    An der WU Wien ist das Betreuungsverhältins Professoren zu Studenten besonders schlecht, kritisiert der Rechnungshof.

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