Tamilen könnten Zünglein an der Waage sein

25. Jänner 2010, 12:14
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Streit um Kriegsverbrechen beherrscht Präsidentenwahl

Colombo - Es geht um mehr als den reinen Machtwechsel bei der Präsidentschaftswahl im kriegsgeschwächten Sri Lanka am heutigen Dienstag. Herausforderer Sarath Fonseka hat dem amtierenden Präsidenten Mahinda Rajapaksa angedroht, im Falle seines Wahlsieges internationale Ermittlungen zu den Kriegsverbrechen zulassen zu wollen. Das könnte jedoch für beide zum Verhängnis werden, denn auch die Rolle des Ex-Armeechefs Fonseka im Bürgerkrieg ist umstritten.

Beide Kandidaten beanspruchen den Sieg über die tamilischen "Befreiungstiger" für sich. Nach einem Vierteljahrhundert Bürgerkrieg wurde im Mai letzten Jahres das Ende der blutigen Kämpfe zwischen der Armee und den Rebellengruppen herbeigeführt.

Nach internationalen Schätzungen kamen dabei allein in den letzten Wochen des Krieges mindestens 7000 Zivilisten ums Leben. Vor allem Tamilen waren unter den Opfern. Etwa 250.000 der vertriebenen Tamilen wurden unter katastrophalen Bedingungen in Flüchtlingslagern interniert, beinahe die Hälfte befindet sich immer noch in sogenannten Übergangszentren.

Für Aufsehen hatte im vergangenen Jahr auch ein Video gesorgt, welches angeblich die Erschießung gefesselter Rebellen durch Soldaten zeigt. Fonseka behauptete nun in einem Interview, die Regierung Rajapaksa habe die Ermordung von Tamilenanführern befohlen, er selbst sei zu dieser Zeit nicht mehr im Amt gewesen. Im Gegenzug unterstellte Rajapaksa seinem Kontrahenten, mit den Tamilen eine De-facto-Autonomie vereinbart zu haben.

Umfragen prophezeien ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Kandidaten unter der singhalesischen Mehrheitsbevölkerung, weshalb in den letzten Wochen vermehrt um die Stimmen der tamilischen Minderheit gebuhlt wurde.

Nach Ansicht von Beobachtern dürften die tamilischen Stimmen eher Fonseka zugute kommen: der einstige Armeechef wird von der Tamilischen Nationalallianz unterstützt. (Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2010)

 

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    Wahllokal in Minuwangoda - 42 Kilometer von Colombo entfernt.

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    Wahlplakate des ehemaligen Miliärchefs und jetzigem Präsidentschaftskandidaten Sarath Fonseka in der Hauptstadt Colombo.

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