Post will Filialnetz mit Partnern kräftig ausweiten

25. Jänner 2010, 18:03
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Die Post sucht Nahversorger, die sich das Gröscherlgeschäft mit Briefmarken, Paketen und Erlagscheinen antun

Wien - Standortexpansion statt Schließungswelle: Mit Hilfe von Partnern will die Österreichische Post ihr Netz massiv ausweiten. Statt über aktuell 1552 Ämter könnte das Unternehmen in Zukunft über rund 2500 Poststellen verfügen, erklärte der neue Konzernchef Georg Pölzl. Als potenzielle Partner bezeichnete er Lebensmittelhändler, Gemeindeämter, Trafiken oder Tankstellen.

Im Gegenzug wird allerdings die Zahl der vollwertigen Postfilialen schrumpfen:auf wieviele, wollte Pölzl nicht sagen. Die Postgeschwerkschaft steht bereits Gewehr bei Fuß. Sie will warten, bis das Strategiekonzept im Aufsichtsrat am 17. Februar vorgelegt wird. Danach will man über mögliche Proteste entscheiden.

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Wien - Die Österreichische Post macht guten Wind für die Umrüstung klassischer Postämter auf Post-Greißler und -Tankstellen. Das ehrgeizige Ziel: Die Post will künftig in jeder österreichischen Gemeinde mit einer Geschäftsstelle - also Postamt, Post-Partner oder Post-Servicestelle - präsent sein. Damit geht die Post wohl über die im Postmarktgesetz festgeschriebene Zahl von 1650 Geschäftsstellen weit hinaus. Die Zahl der von ihr selbst betriebenen Postämter wird aber trotzdem zurückgehen.

In Zukunft könnte es bis zu 2500 Poststellen geben, kündigten Post, Wirtschaftskammer und Gemeindebund am Montag an. Derzeit gibt es 1552 Geschäftsstellen, davon sind 1133 klassische Postfilialen, also ehemalige Ämter. "Das Ziel ist, dass es in jeder Gemeinde einen Poststelle gibt, auch in jenen, in denen es bisher kein Postamt gab" , so Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer, der allerdings meint, der Weg dort hin werde ein schwieriger.

Das liegt auch daran, dass die Post die Zahl ihrer Outlets primär über Lebensmittelhändler, Gemeindeämter, Trafiken oder Tankstellen erhöhen will, wie Post-Chef Georg Pölzl sagte. Und die sind in dünn besiedelten Regionen bekanntlich rar.

Widerstand zu erwarten

Widerstand gegen die von der Bevölkerung durch die Bank positiv aufgenommene Poststellen-Offensive ist freilich seitens der Postler zu erwarten. Rund 4500 von ihnen arbeiten in Postfilialen und müssen um ihre Arbeitsplätze fürchten. Wie viele nach Umsetzung des Post-Partner-Konzepts 2010 noch ihren angestammten Job in einer der 1133 Filialen haben werden, wollte Pölzl nicht sagen. Die 300 aus dem im Vorjahr verworfenen Konzept des für das Filialnetz zuständigen Vorstandsdirektors Herbert Götz und des früheren Post-Chefs Anton Wais sei auf jeden Fall viel zu gering, betonte Pölzl. Zumindest in Städten sollen Ämter bleiben. WKÖ-Chef Christoph Leitl schätzt das Postpartner-Potenzial auf 10.000, was bei österreichweit 2375 Gemeinden freilich bedeutete, dass es zumindest in größeren Kommunen mehrere Postpartner geben müsste. Das ist insofern schwer vorstellbar, als die die Nahversorger mit Post-Diensten kaum etwas verdienen.

Leiden könnte durch die Postpartner-Offensive auch das einträgliche Finanzdienstleistungsgeschäft mit der Bawag PSK. Denn laut einer Umfrage der Post wollen die Österreicher ihre Sparbücher nur im Notfall vor Greißlern oder Trafikanten offenlegen. (APA, ung, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.1.2010)

 

  • Bis zu gut 2.500 Poststellen könnte es in Zukunft geben - der Weg dorthin ist aber noch weit. Derzeit schafft die Post nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebene Zahl.
    foto: post ag/christian houdek

    Bis zu gut 2.500 Poststellen könnte es in Zukunft geben - der Weg dorthin ist aber noch weit. Derzeit schafft die Post nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebene Zahl.

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