Als Entsetzen die Bank regierte

24. Jänner 2010, 17:50
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Laut Beschuldigten wurden Karl Petrikovics die Immo-Aktiendeals 2006 verboten. Ab 2007 war das Desaster der Eigentümerin bekannt, ebenso Immofinanz-Kontrollor Schmidt-Chiari

Wien - Der Chef der Immofinanz-Gruppe, Eduard Zehetner, ist "sicher", dass es in der Causa Immofinanz/ConstantiaPrivatbank (CPB) zu Verurteilungen kommen wird. Es gebe allein Doppel- und Überfakturierungen von 250 Mio. Euro, erzählte er jüngst. Die Justiz ermittelt gegen Ex-Immo- und Ex-Bankchef Karl Petrikovics; es gilt die Unschuldsvermutung. Petrikovics wird vorgeworfen, in der Bank (von deren Gewinnen er als Mitaktionär profitierte) über Jahre mit Immofinanz-Aktien gehandelt zu haben; bei Ausbruch der Wirtschaftskrise habe er die Löcher heimlich mit Geld der börsennotierten Immoeast (mehrheitlich in Immofinanz-Eigentum) gestopft.

Aus der Vernehmung eines seiner Bankvorstandskollegen geht hervor, wie die Sache intern aufflog, wie früh die maßgeblichen Personen Bescheid wussten und wie diskret sie die Sache behandelten. Es kam dann konzernintern zu Garantieübernahmen, damit die Bank bilanzieren konnte, im Oktober 2008 musste die CPB aber aufgefangen werden. Ex-Eignerin Christine de Castelbajac wird demnächst einen Vergleich mit den Immos schließen.

Der beschuldigte Banker entdeckte im September 2007, "dass größere Aktienbestände in Tochterfirmen der Bank liegen", fragte bei Petrikovics (konzernintern: KP) nach, der habe ihm erklärt, er habe die Papiere gekauft, weil er sie für "total unterbewertet" halte. "Ich wusste aus Gesprächen mit KP, dass die Aktien mit Mitteln der Immoeast finanziert wurden. Aus seiner Sicht war das für die Immoeast kein Problem." Die Summen waren enorm: Das Volumen betrug 900 Mio. Euro (CPB-Eigenkapital: 165 Mio.), der Wertverlust 130 Mio. Euro - und die Kurse fielen weiter.

Die Reaktion des Bankers: "Ich informierte sofort den Aufsichtsratsvorsitzenden, Prinz Michael von und zu Liechtenstein, und Schmidt-Chiari", später auch Aufsichtsrat Helmut Schwager, Castelbajac und den dritten CPB-Chef (der Vorstand bestand aus Petrikovics, Norbert Gertner und Karl Arco). Liechtenstein ist ein Vertrauter der Familie Turnauer und Turnauers Tochter Castelbajac, der die Bank damals via Constantia Packaging B.V. gehörte.

Kein Informationsfluss

Die B.V. übernahm 512 Mio. Euro Garantien, hinter ihr steht die HTS Stiftung Turnauers, in deren Vorstand Michael Liechtenstein und Guido Schmidt-Chiari saßen. Der Ex-CA-Chef war bis 2008 Castelbajacs engster Berater, ab 1998 im Immofinanz-Aufsichtsrat - und ist es heute noch. Obwohl die Immofinanz-Kontrollore von den für die Gesellschaft existenzbedrohenden Deals erst lange nach ihrem Kollegen Schmidt-Chiari erfuhren.

KPs Aktienhandel (die CPB wickelte alle Geschäfte für Immofinanz und Immoeast ab und verdiente über die Managementverträge enorm) hatten freilich schon viel früher begonnen; dem Beschuldigten waren sie "im Herbst 2006 aufgefallen". Schon damals sei Aufsichtsratschef Liechtenstein informiert worden, schon damals "wurde beschlossen, dass es unerwünscht sei, solche Investitionen ... zu haben". Man blieb diskret: "Verschriftlicht wurde dieser 'Aufsichtsratsbeschluss' nicht, aber mündlich wurde Petrikovics vom Aufsichtsrat angewiesen, dies nicht mehr bzw. nur innerhalb geringer Grenzen zu tun."

Dass es wieder geschah, habe Liechtenstein überrascht ("Er fragte, wie das möglich sein könne, es war KP doch 2006 verboten worden."), Castelbajac und Schmidt-Chiari "entsetzt". Personelle Konsequenzen: keine.

Denn, so erklärte es der Banker dem Staatsanwalt: "Damals war die Meinl-Krise auf dem Höhepunkt, man glaubte durch personelle Konsequenzen und die unmittelbare Meldung dieser Vorkommnisse an die Finanzmarktaufsicht einen noch größeren Schaden anzurichten ... So ist die Idee zum Verkauf der Bank entstanden." Aus dem von Schmidt-Chiari geleiteten Unterfangen ist nichts mehr geworden. Die drei CPB-Chefs übrigens verdienten von 2004 bis 2008 in Summe 65,4 Millionen Euro. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2010)

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    Die Geschäfte der Constantia Privatbank mit Immofinanz-Aktien gerieten 2007 außer Kontrolle. Gewusst haben davon viele.

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