Fiat will Alfa sanieren und in USA vermarkten

24. Jänner 2010, 16:54
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Marchionne erwartet 2010 Ergebnisplus - Schmusekurs mit Gewerkschaft beendet

Der italienische Autohersteller Fiat wird umgestellt. Konzernchef Sergio Marchionne kündigte am Wochenende die Bildung eines Sportwagenpools an, in welchem Alfa Romeo, Maserati und der Ralley-Wagen Fiat Abarth eingebracht werden. Der deutsche Automanager Harald Wester, der bereits Maserati saniert hat, soll zum neuen Alfa Chef avancieren und den Autopool lenken. Wester wurde 2004 vom damaligen Fiat Chef, dem Österreicher Herbert Demel, nach Turin geholt.

Laut Marchionne ist Alfa derzeit die schwächste aller Marken der Fiat-Gruppe. In Europa schreibt Alfa Verluste. Die 100 Jahre alte, sportlich ausgerichtete Marke besitzt früheren Äußerungen Marchionnes zufolge zwar eine "großartige Anziehungskraft", sei ihrem Anspruch in den vergangenen Jahren aber nicht gerecht geworden. Überprüft wird derzeit auch, ob das Sorgenkind Alfa nach 15 Jahren Absenz ein Comeback auf dem US-Markt startet. Noch heuer will der Fiat-Chrysler-Konzernchef das Erfolgsmodell Fiat 500 auf den US-Markt bringen. Im Dezember solle es bei allen Chrysler-Händlern möglich sein, einen Fiat 500 zu kaufen. Der Retro-Wagen wird ab dem dritten Quartal 2010 auch in Mexiko gebaut werden.

Heute, Montag, gibt Fiat die Jahresergebnisse 2009 bekannt. Analysten rechnen im Durchschnitt mit einem Verlust von rund 470 Mio. Euro. Allein in den ersten neun Monaten 2009 hatte die Gruppe einen Verlust von 565 Mio. Euro verbucht - nach 1,5 Mrd. Euro Gewinn ein Jahr zuvor.

Dank eines rigorosen Kostenabbaus wurde dabei schon im dritten Quartal wieder ein knapp positives Ergebnis von 25 Mio. Euro erreicht. Der Gewinn im Abschlussquartal soll üppiger ausfallen. Der Fiat-Autoabsatz in Europa legte im Vorjahr gut sechs Prozent zu. Gleichzeitig schrumpfte der gesamte europäische Markt um 1,6 Prozent.

Fiat profitierte vor allem von Kaufanreizen wie Abwrackprämien in mehreren Ländern, die den Kauf kleinerer und damit Treibstoff sparender Fahrzeuge begünstigt hat. Für heuer stellte der Fiat-Chef ein besseres Ergebnis als 2009 in Aussicht. Angesichts der Tatsache, dass Marchionne eine Werksschließung im sizilianischen Termini Imerese plant, sind die Gewerkschaften von ihrem bisherigen Schmusekurs mit Fiat abgekommen. Sie kündigten für 3. Februar einen Streik in sämtlichen Fiat-Werken an. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2010)

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