Ein Stück Handballgeschichte

23. Jänner 2010, 19:41
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Österreich steht nach einem sensationellen Triumph über Serbien in der Hauptrunde - Erfolg dank toller Aufholjagd - Island Gruppensieger

Linz/Graz - Österreichs Handball-Herren haben das kleine Wunder geschafft und stehen bei der Handball-Heim-Europameisterschaft in der Hauptrunde. Mit einem klaren 37:31-(15:18)-Erfolg über Serbien sicherte sich Rot-Weiß-Rot den Aufstieg in die Hauptrunde und hat ab Montag in der Wiener Stadthalle zumindest noch drei Spiele vor sich.

Schon vor den Spielen gegen Kroatien, Russland und Norwegen steht aber fest, dass man bereits den größten Erfolg in der Geschichte des österreichischen Herren-Handballs geschafft hat. "Ich bin überglücklich, es ist fast ein bisschen zu viel", sagte Teamchef Dagur Sigurdsson.

Da die Vorrunden-Ergebnisse der Aufsteiger untereinander in die Hauptrunde mitgenommen werden, startet Österreich mit einem Punkt vom 37:37 gegen Island. Die Isländer, die Titelverteidiger Dänemark überraschend klar mit 27:22 schlugen, holten sich noch den Gruppensieg und nehmen drei Punkte mit, Dänemark zwei. Aus der Grazer Gruppe A kommen noch Kroatien (nimmt 4 Punkte mit), Norwegen (2) und Russland (0). Österreich trifft zum Auftakt der Hauptrunde I am Montag um 18 Uhr in der Wiener Stadthalle auf Norwegen.

Miserabler Start

Österreich startete vor 5.500 Zuschauern in der ausverkauften EM-Arena auf der Gugl allerdings miserabel. Robert Weber erzielte erst nach 5:45 Minuten das erste Tor der Gastgeber zum 1:4. Österreich fand danach ins Spiel, erst aber der Tormannwechsel zwischen Nikola Marinovic und Zweier-Goalie Thomas Bauer in der 17. Minute (7:11) brachte den Umschwung. Bauer parierte acht Bälle in Folge und ebnete somit den Weg zur Aufholjagd. In der 22. Minute glich Viktor Szilagyi per Siebenmeter erstmals zum 11:11 aus. Erst in der 25. Minute kassierte Bauer dann das erste Gegentor. In die Pause ging Österreich mit einem Dreitore-Rückstand (15:18).

Rot-Weiß-Rot kämpfte sich nach dem Seitenwechsel schnell zurück, in der 35. Minute glich Vitas Ziura zum 19:19 aus, ein neuerliches Siebenmetertor des groß auftrumpfenden Szilagyi bedeutete in der 43. Minute die erstmalige Führung zum 24:23. Nach dem 27:24 durch einen Gegenstoß von Martin Abadir (46.) war Österreich nicht mehr aufzuhalten. Berauscht durch die Führung und durchs Publikum gaben die Österreicher, bei denen Bauer auch nach der Pause sensationell hielt, das Heft nicht mehr aus der Hand. Szilagyi und Co. überrannten die entnervten Serben und siegten am Ende überlegen 37:31.

Hexer Bauer

"Diese 60 Minuten waren ein Wahnsinn", jubelte Neunfach-Torschütze Szilagyi, "wir stehen zu Recht in der Hauptrunde." Flügelspieler Konrad Wilczynski hob besonders Bauer hervor: "Er hat uns im Spiel gehalten, er war der Mann des Abends", sagte der Berlin-Legionär, der selbst sechsmal traf. "Was er heute gemacht hat, ist Weltklasse", schwärmte auch Sigurdsson, der sich aber generell über ein "konstant gutes Niveau" in allen drei Partien (29:33 gegen Dänemark, 37:37 gegen Island) freute. Und Rückraum-Kanonier Bernd Friede (4 Treffer) erwartete nun noch mehr: "Wir wollen in der Hauptrunde nicht Kanonenfutter sein, sondern weiter etwas erreichen."

"Mich hat das nicht überrascht", kommentierte wiederum Lino Cervar, Coach des künftigen Österreich-Gegners Kroatien, den Aufstieg der ÖHB-Truppe. "Ich habe gewusst, dass sie ein starkes Team sind und habe Respekt." Cervar muss ganz objektiv gesehen freilich kaum bange sein, sein Team sicherte sich mit einer blütenweißen Weste den Aufstieg in die Hautrunde. In der Grazer Gruppe A feierte der zweifache Olympiasieger, Weltmeister 2003 und Vize-Weltmeister 2009, mit einem 30:28 über Russland den dritten Sieg im dritten Spiel.

Kroaten mit weißer Weste

Der in Hochform agierende Spielgestalter Ivano Balic und Co. konnten sich gegen Russland allerdings keineswegs schonen. In der zumeist ausgeglichenen Partie vermochten sich die Kroaten nie um mehr als drei Treffer abzusetzen und siegten nach einem Strafwurf in der Schlusssekunde schließlich mit 30:28. Russland, das als Vorrundenbilanz nur einen Sieg gegen die Ukraine, die Koffer packen muss, zu Buche stehen hat, ist aber ebenfalls in der Hauptrunde, ebenso wie der Gruppenzweite Norwegen, der sich im Abendspiel gegen die Ukraine trotz zeitweisen Drei-Tore-Rückstands noch mit 31:29 durchsetzte.

Bereits am Freitag hatten sich Spanien, Frankreich, Tschechien, Polen, Slowenien und Deutschland für die nächste Turnierphase qualifiziert. Diese sechs Teams bestreiten ihre Partien ab Sonntag in der Innsbrucker Olympiahalle. Da kommt es bereits zum Schlager Deutschland-Frankreich. (APA)

Gruppe B, in Linz:

Österreich - Serbien 37:31 (15:18)
Linz, SR Muro/Rodriguez, 5.500 Zuschauer (ausverkauft)

Tore: Szilagyi 9, Weber 8, Wilczynski 6, Friede 4, Fölser 3, Mayer, Wagesreiter, Ziura je 2, Abadir 1 bzw. Sesum 8, Vuckovic 7, Stojanovic, Ilic je 4, Toskic 3, Markovic, Kojic je 2, Stankovic 1

 

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    Markus Wagesreiter ist die Euphorie ins Gesicht geschrieben.

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    Thomas Bauer spielte die Partie seines Lebens.

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