Im Ballerland mit "Serious Sam HD" und "Army of Two: The 40th Day"

    23. Jänner 2010, 12:16
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    Kugelhagel zwischen Kamikaze-Monster und Soldaten in Shanghai

    Panik! Panik! Panik! Manchmal kommen diese kopflosen Kamikaze-Monster mit einem Hadern daher, dass einem nicht mehr einfallen will, wo die Feuertaste ist. Und dann, noch schlimmer, diese Rindsviecher, stierartige Berserker, die einen über die Plätze der antiken ägyptischen Tempelanlage scheuchen! Und das ist erst der Anfang. Immer mehr Ekelpakete wollen die laufende Ich-Perspektive des Spielers niedertrampeln, niederschießen, sprengen, fressen, zergatschen. Da muss man einfach schneller sein und die Monster niederschießen, sprengen ...

    Ernsthaft

    Serious Sam HD (CDV/für PC, Xbos, ab 18 Jahren, ca. 20 Euro), das Remake eines, na ja, Klassikers aus 2001 bietet einen äußerst unmittelbaren Zugang zum Baller-Genre. Hier herrscht noch die gute alte Übertreibungssucht immer größerer, wahnwitzigerer Knarren, die ihre Kugeln, Strahlen oder sonst was gegen immer größere, wahnwitzigere Bestien direkt aus der Hölle senden. 2001, im selben Jahr in dem Counter-Strike nach Realismus gierte und Ego-Shooter zur taktischen Breitensportart machte, führte Serious Sam in astreinem Prolo-Style das Genre auf sehr elementarer Ebene fort. Eine Art logischer Nachfolger von Space Invaders in dritter Dimension.

    Das Geballere pfiff nämlich auf jeden Schnickschnack wie Realismus oder Handlung (irgendwas mit Universum retten halt). Dafür bot es flüssigen Spielverlauf und ironisierte die konkurrierenden Spiele Quake und Unreal. Heute ist die Neuauflage ein nettes Action-Spielchen, ein Arcade-Game. Aber eine Stärke bleibt: Es bietet keinen Anlass, noch irgendeinen Sinn außer schnelles Ballern hineinzuinterpretieren.

    Zusammengehen

    Spielt man gleich darauf den neuen Shooter Army of Two: The 40th Day (EA/für PS3, Xbox, PSP, ab 18 Jahren, ca. 60 Euro) erscheint dieser atmosphärisch geradezu überladen. Und es brechen die Spuren der Realität wieder ein. Dosierte Provokation soll auch den zweiten Teil der Army-of-Two-Reihe aufregend halten (zu hoch dosiert für Deutschland: Dort gab es keine USK-Freigabe): Söldner mit grauslichen/coolen Horrorfilm-Masken sind die Sympathieträger, die im zerbombten Schanghai gegnerischen Soldaten die Köpfe wegpusten und entscheiden, ob Geiseln gefesselt oder getötet werden: "Ich tu' nur, wofür man mich bezahlt, und halte mich sonst aus allem raus", ist das Motto. Koordinierte Taktik zwischen zwei Spielern verhilft zu Gemeinschaftsgefühl, die eigentliche Attraktion des Spiels. Allein bleibt es eher ärgerlich.

    Wirklich ärgerlich ist aber, wenn einen beim bunten Eskapismus von Serious Sam das letzte Monster doch noch abmurkst. Neiiiinn!!! Abschalten, sonst hört das nie auf!

    (Alois Pumhösel, DER STANDARD/Printausgabe, 23.1.2010)

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      foto: ea
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