Parallelen, Parolen und ein Plan

22. Jänner 2010, 18:37
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Mit ein bisschen Historischem wollen sich Österreichs Handballer bei der Heim-EM nicht begnügen - Freilich sind sie auch gegen Serbien nur krasser Außenseiter

Linz - Rückblende. Fußball-EM 2008 in Österreich. Erstes Spiel: ganz gute Leistung, aber Niederlage. Zweites Spiel: Remis, im letzten Moment fixiert. So weit, so gut, so parallel. Und darüber hinaus wollen sich Österreichs Handballer auch gar nicht orientieren an den Fußballern, die vor eineinhalb Jahren schließlich scheiterten. Markus "Max" Wagesreiter, der gegen Island zum 37:37 traf, will kein Ivica Vastic sein (umgekehrt gilt wohl dasselbe), serbische Handballer sind keine deutschen Fußballer. Und überhaupt ist ein handballerisches X gegen Island, den Olympia-Zweiten, nicht mit einem fußballerischen X gegen Polen vergleichbar, weil eine echte Sensation.

Jetzt also das entscheidende Duell mit Serbien. Samstag, 18 Uhr, (ORF 1). Vor knapp 6000 Zuschauern, die aus dem Häuschen und in der Linzer Intersport-Arena sein werden. Es kommt zum erwarteten Showdown, freilich mit unerwarteten Vorzeichen. Den Österreichern, die gegen Dänemark weniger hoch verloren als die Serben, würde ein Remis zum Aufstieg in die Hauptrunde (Wiener Stadthalle, ab Montag) reichen, dann wäre Serbien distanziert. Sogar Rang zwei ist möglich, bei einem österreichischen Sieg, wenn Island nicht gegen Dänemark gewinnt, oder selbst bei einem Remis, falls die Dänen auch Island hoch schlagen.

Davon zu reden oder auch zu schreiben grenzt freilich fast an Blasphemie. Denn Serbien ist vielleicht nicht Burj-Khalifa-, aber doch hochhaushoher Favorit. Jugoslawien war und der Rechtsnachfolger ist noch immer eine Handball-Macht (EM-Dritter '96, WM-Dritter '99 und '01, Olympia-Vierter 2000). In der jüngeren Vergangenheit waren die Serben wieder weiter weg von Medaillenrängen, das wollen sie rasch ändern, vielleicht schon in Österreich, spätestens 2012, wenn sie die nächste EM veranstalten.

Aktuell könnte Serbien die österreichische Euphorie in die Quere kommen. "Ein kleines Handballwunder" nannte Konrad Wilczynski das 37:37 gegen die Isländer, die in der Schlussminute 37:34 geführt hatten. "Man sieht, was mit Kampfkraft und Emotion machbar ist." Goalie Nikola Marinovic ist schon überzeugt: "Jetzt ist alles machbar."

Über Islands Blackout, das Roland Schlinger (0:46 vor Ende), Bernd Friede (0:23) und Wagesreiter (0:04) zum Ausgleich nützten, sprachen die Österreicher weniger als über ihre eigenen Fehler. Sie wollen sich gegen Serbien steigern. "Leichte Ballverluste vermeiden", sagt Wilczynski. "Jede Chance eiskalt nützen", sagt Viktor Szilagyi. "In der Deckung besser stehen", sagt Schlinger. "Siegen", sagt Roland Weber. "Aufsteigen", sagt Patrick Fölser.

Serbiens Team setzt sich aus Legionären zusammen, Der Star ist Momir Ilic (2,00 m, 100 kg) von THW Kiel, er spielte vergangenes Jahr bei Gummersbach, holte gemeinsam mit Viktor Szilagyi den EHF-Cup. Das ist quasi der Uefa-Cup - freilich soll man Handball nicht mit Fußball vergleichen. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 23.01.2009)

 

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    Steigern wollen sich die Österreicher beispielsweise bei der Chancenauswertung. Hier scheitert Markus Wagesreiter im Island-Spiel, was ihm nach seinem 37:37 freilich niemand vorwarf.

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