Banken- und Rohstoffaktien fallen

22. Jänner 2010, 15:07
posten

Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

In der vergangenen Handelswoche verbuchte der Stoxx 600 ein Minus von -2,35% und notiert so nun unverändert seit Anfang 2010. Der schmalere Euro Stoxx 50 fiel gar um -4,23%. Die schwache Performance von Banken, Automobil- und Rohstoffaktien (je -6%) waren ausschlaggebend. Fünf der 19 Sektoren des Stoxx 600 konnten trotzdem leichte Zugewinne verbuchen. Lebensmittelproduzenten, Reiseunternehmen und der Gesundheitssektor stiegen um knapp über 1%.

An den Bondmärkten fielen die Rendite der 2-jährigen Bunds um 8 Basispunkte auf 1,14%, und die Rendite der 10-jährigen fiel auf 3,21% (-0,09). Basismetalle wie Kupfer (-1,4%) und Aluminium (-2,8%) reagierten negativ auf die Ankündigungen, dass die Kreditvergabe in China stark eingebremst werden sollen.

In Deutschland startete das Jahr mit einer Industrie, die den Dienstleistungssektor deutlich hinter sich ließ. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg auf 53,4 Punkte von 52,7 Zählern im Dezember und erreichte damit den höchsten Stand seit März 2008. Bei den Dienstleistern schwächte sich das Wachstum dagegen zu Jahresbeginn ab. Der EMI für den Service-Sektor gab auf 51,2 Punkte nach. Er liegt damit 1,5 Punkte niedriger als im Dezember. Leicht rückläufige Aufträge und steigende Preise machten den Firmen zu schaffen. Zugleich bauten sie so viele Stellen ab wie seit Mai 2009 nicht mehr. Allerdings steigt der Optimismus wieder, da das entsprechende Barometer den höchsten Stand seit September vergangenen Jahres erreichte.

Thyssen: Kosten explodieren

Die Konjunkturerwartungen des ZEW-Index für die nächsten sechs Monate verzeichneten im Jänner den vierten Rückgang in Folge. Der Index ist von 50,4 auf 47,2 gefallen und konnte somit die Markterwartungen nicht ganz erfüllen. Die aktuelle Situation hingegen wird wie erwartet mit -56,6 (Dezember: -60,6) neuerlich positiver gesehen. So hat sich die deutsche Wirtschaft von den Tiefstständen bereits etwas erholt, und die Industrieproduktion konnte im November einen Rückgang von 8% j/j gegenüber -12,3% j/j im Oktober ausweisen. Diese Entwicklung ist maßgeblich auf eine Aufhellung bei den Ausfuhren zurückzuführen.

Der tief in die roten Zahlen gerutschte ThyssenKrupp -Konzern stellt sich bei seinen milliardenschweren Stahlwerkprojekten auf drastisch steigende Kosten ein. Kurz vor dem Aktionärstreffen am Donnerstag gab der Aufsichtsrat grünes Licht für eine Aufstockung des Investitionsbudgets für ein neues Stahlwerk in Brasilien um EUR 500 Mio. auf EUR 5,2 Mrd. Im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 will ThyssenKrupp schwarzen Zahlen schreiben. Einschließlich der Projektkosten für das Stahlwerk in Brasilien bezifferte Vorstandschef
Ekkehard Schulz das Gesamtbudget auf bislang rund EUR 5,9 Mrd. Ein in Alabama geplantes Stahlwerk soll sich um 10% auf EUR 2,6 Mrd. verteuern.

Im milliardenschweren Bietergefecht um den US-Rohstoffhändler RBS Sempra hat die Deutsche Bank offenbar den Kürzeren gezogen. In Branchenkreisen hieß es, der Verkäufer RBS verhandle nun exklusiv mit dem US-Konkurrenten JP Morgan. Dieser sei bereit, mehr zu bezahlen als die Deutschen. Der internationale Gasmarkt wird sich nach Einschätzung von E.ON auch in diesem Jahr nicht erholen. Die Gaspreise am Spotmarkt werden sich wahrscheinlich noch ein bis zwei Jahre auf dem momentan niedrigen Niveau bewegen. In Deutschland hält die FDP eine Aufspaltung der Deutschen Post für möglich. Das geht aus einem als vertraulich eingestuften Papier der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Darin kommt die Arbeitsgruppe Wirtschaft zu dem Schluss, dass das geplante Entflechtungsgesetz fast auf das gesamte Briefgeschäft der Post anzuwenden sei.

Nächste Woche werden die Schwergewichte Novartis, Philips, Siemens und SAP ihre Bilanzen veröffentlichen und damit auch die europäische Bilanzsaison eröffnen. Auf der Makro Seite stehen der Ifo-Index und die Arbeitslosenzahlen in der EU auf der Agenda.

Share if you care.