"Selbstverstümmelung" versus "Zensur"

22. Jänner 2010, 12:54
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Performance von Wolfgang Flatz in Innsbruck schlägt Wellen

Innsbruck - Gegen "Zensur" hat sich am Freitag der Vorsitzende der Tiroler Künstlerschaft nach einer aufsehenerregenden Performance des Vorarlberger Künstlers Wolfgang Flatz ausgesprochen. Die Aktion im Kunstraum Innsbruck am 15. Jänner war von der Innsbrucker Bürgermeisterin, Hilde Zach (Liste Für Innsbruck), scharf kritisiert worden. "Ich habe null Verständnis für diese Aktion der Selbstverstümmelung", hatte sie gesagt. Franz Wassermann will jetzt eine offizielle Entschuldigung von Zach.

Die Bürgermeisterin sei immerhin ein Vorbild, und ihre Aussagen hätten somit Auswirkungen, meinte Wassermann. Es gehe nicht um Geschmacksfragen, sondern um die Freiheit der Kunst. Die Äußerungen Zachs wertete Wassermann als "Zensur" und als "Anmaßung auf politischer Ebene", die ihr seiner Meinung nach nicht zustehe. Die Bürgermeisterin selbst sei nicht einmal anwesend gewesen. Er wies darauf hin, dass die Veranstaltung in einem ausgewiesen Kunstraum stattgefunden habe. "Die Leute, die dort hingegangen sind, haben sich dem freiwillig ausgesetzt", sagte Wassermann.

Der Auftritt

Der international renommierte und für seine provokanten Auftritte bekannte Künstler Flatz hatte am vergangenen Freitag im Kunstraum in Innsbruck für einen Eklat gesorgt. Mit seiner blutigen Performance "schuldig - nicht schuldig" verstörte er nicht nur sein Publikum, sondern löste auch einen Polizei- und Rettungseinsatz aus. Bei der Aktion lief der Künstler nackt zwischen von der Decke baumelnden Metallplatten hin und her und schlug seine Stirn gegen die Objekte bis seine Stirn eine blutige Wunde aufwies. Dabei sagte er abwechselnd die Worte "schuldig" und "nicht schuldig". "Schluss wird dann sein, wenn entweder ich in die Knie gehe oder der Letzte aus dem Publikum den Raum verlassen hat", hatte Flatz vor der Veranstaltung angekündigt. Davon wussten die Besucher allerdings nichts.

Das Publikum reagierte unterschiedlich. Einige blockierten die Metallplatten, um den Künstler von seiner Selbstverletzung abzuhalten, eine Frau rief "Aufhören". Andere nahmen die Performance des Künstlers gelassen hin und unterhielten sich scheinbar unbeirrt. Ein alarmierter Sanitäter zog ebenso wieder ab wie zwei Polizisten. Da sich nach über zwei Stunden immer noch einige hartnäckige Besucher im Raum befanden, machte Kunstraum-Chef Stefan Bidner dem Ganzen ein Ende. Er bat die restlichen Leute, den Raum zu verlassen. (APA)

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