Die logische Folge hieße Janka

22. Jänner 2010, 11:50
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ÖSV-Abfahrer wollen nach Schweizer Erfolgen Streif zurückerobern - Cuche und Miller Topfavoriten - Vier ÖSV-Läufer um letztes Olympiaticket

Kitzbühel - Nicht mehr ändern können Österreichs Speedpiloten, dass sie das erste Mal seit 18 Jahren ohne Abfahrtsieg zur Streif gekommen sind. Zumindest aber soll am Samstag (ab 11.30 Uhr) das Warten ein Ende haben, soll Zuversicht für Olympia getankt und die Gemüter beruhigt werden. Seit dem Sieg von Michael Walchhofer 2006 haben nach dem Ausfall des Rennens 2007 zwei Schweizer in Kitzbühel triumphiert, 2008 Didier Cuche und 2009 Didier Defago. Die logische Folge hieße Carlo Janka, doch der nimmt sich selbst von der Favoriten-Liste.

Wer mit 23 Jahren mit so souveräner Vorstellung auf dem Lauberhorn gewinnt, der, würde man meinen, braucht auch in Kitzbühel mit seinen Erwartungen nicht hinter dem Berg zu halten. Doch die Charakteristik der beiden Klassiker ist so unterschiedlich, die Streif erfordert enorm viel Mut - und der Bündner wird vor den Olympischen Spielen nicht alles auf die Karte setzen. "Ich werde versuchen, die Handbremse noch ein wenig zu lösen, aber das ist auf dieser Piste schwieriger als an anderen Orten. Das letzte Risiko werde ich allerdings nicht eingehen", sprach die Vernunft aus dem Führenden im Gesamtweltcup.

"Der Respekt fährt mit"

Erst zum zweiten Mal ist Janka auf der Streif, im Vorjahr tastete er sich zu einem 20. Platz in der Abfahrt, schied im Super-G aus und erreichte in der Kombination einen respektablen vierten Rang. "Der Respekt fährt mit, es ist die schwierigste Abfahrt. Herantasten und schauen, wie gut es geht. Wenn es Richtung Top-Ten geht, wäre ich zufrieden, denn hier fehlt mir die Erfahrung, das ist noch mal eine Stufe höher als Wengen." Auf dieser Stufe - auch ohne Lauberhornsieg - längst angelangt ist Cuche, der im Training Erster und Zweiter (hinter dem US-Amerikaner Bode Miller) geworden war und bereits zweimal das alpine Ski-Highlight in Österreich gewann (1998, 2008).

"Ein Podest ist hier immer schön, aber ich glaube, man muss immer zufrieden sein, wenn man gesund im Ziel ist. Zufrieden mit einem 20. Platz bin ich aber natürlich nicht", erzähle Cuche, der mehr als zwei Mann als Konkurrenten sieht, auch wenn er dann nur ein Duo aufzählte. "Da gibt es viele, es wird ein großes Spektakel werden. Bode ist heiß nach Wengen, vor dem Ausfall im Ziel-S war er blitzschnell unterwegs. Und mit Janka ist in jedem Rennen zu rechnen, ich traue es ihm zu. Er ist technisch gut drauf und den Mut hat er auch."

Steigender Druck

Wie vor einem Jahr mussten die Österreicher mit einer Wengen-Pleite die Reise nach Tirol antreten, die Ränge zwei durch Michael Walchhofer, drei durch Klaus Kröll, zehn durch Hermann Maier und zwölf durch Benjamin Raich reichten 2009 zur Versöhnung - heuer scheint es dazu aber schon einen Sieg zu brauchen, denn es brodelt hinter den Kulissen. "Ich würde mir einen Sieg wünschen und hoffe darauf - für Österreich und die Fans", sagte Walchhofer, der im Abschlusstraining - noch ohne Rennspannung und mit nicht ganz geglückter Einfahrt in die Traverse - eine halbe Sekunde auf Miller verloren hatte.

"Nicht wirklich überragend" war das letzte Training von Kröll verlaufen, doch er schöpft Hoffnung aus der Vergangenheit und damit dem dritten Rang im Vorjahr. "Letztes Jahr bin ich beide Rennen hier gut gefahren. Ich versuche nicht oft daran zu denken, es ist schon wieder ein Jahr aus, das hilft für heute nicht mehr so viel, aber es ist im Hinterkopf verankert. Wir haben ein neues Rennen mit neuen Gegebenheiten."

Wichtig sei für ihn gewesen, das gute Gefühl aus Wengen mitgenommen zu haben. Die Strategie für die Abfahrt? "Ich muss schauen, was gut geht und an dem festhalten und versuchen, den ganzen Lauf runterzubringen. In Bormio und Wengen bin ich an dem gescheitert." Ein Beispiel an Kröll nehmen will sich Mario Scheiber, der auf den ersten Karriereerfolg noch wartet und im Vorjahr nur Zuschauer war, als sein Landsmann im Super-G den ersten Weltcupsieg bejubelte. "Ich bin ganz gut drauf und wäre im Rennen auch mit einem fünften Platz zufrieden, aber für das heimische Publikum wollen wir mehr", so Scheiber.

Neben Walchhofer, der mit den Rängen 4, 5, 5, 3 und 16 der Beste des ÖSV-Abfahrtsteams im Olympiawinter ist, haben Scheiber (40, 10, 2, disqualifiziert, 30) und Kröll (14, 15, 26, 8, 9) ihr Olympia-Ticket so gut wie in der Tasche. Dahinter ist alles offen, mit Hans Grugger, Romed Baumann, Georg Streitberger und Joachim Puchner gibt es vier Anwärter und eine finale Chance auf den vierten und letzten Platz. (APA)

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    Janka bescheiden: "Wenn es Richtung Top-Ten geht, wäre ich zufrieden"

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