Ausfallsrisiko von Staaten höher als von Firmen

21. Jänner 2010, 19:27
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Vor der Krise galten Staatsverbind­lichkeiten praktisch als risikofrei. Die Turbulenzen in Dubai und Griechenland erschütterten das Vertrauen sichtlich

Wien - Nachdem Staatsverbindlichkeiten bis vor der Finanzkrise als praktisch risikofrei galten, haben die finanziellen Turbulenzen in Dubai und Griechenland das Vertrauen der Investoren in Staatspapiere sichtlich erschüttert. Seit einigen Tagen schätzen Anleger die Bonität europäischer Konzerne besser ein als jene vieler krisenbelasteter Staaten. Dies zeigen entsprechende Risiko-Indizes an den Finanzmärkten.

Die kräftig wachsende Verschuldung vieler europäischer Länder hat die Sorgen der Investoren um die Zahlungsfähigkeit in jüngster Zeit erheblich vergrößert. Vor allem die Turbulenzen in Dubai und Griechenland sorgten für Unsicherheit an den Märkten. "Dubai hat uns auf das Thema Staatspleiten eingestimmt", erklärte Kornelius Purps, Anleihenexperte bei der UniCredit.

Die Unsicherheiten haben dazu geführt, dass es an den Märkten erstmals teurer ist, sich gegen den Ausfall europäischer Staaten abzusichern, als gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens mit Top-Bonitätsnote, berichtete die Financial Times Deutschland vergangene Woche. Der iTraxx Europe Index, der das Risiko für 125 europäische Unternehmen abbildet, liegt aktuell bei 77,80 Basispunkten. Somit kostet es 77.800 US-Dollar, um 10 Mio. Dollar an Verbindlichkeiten für fünf Jahre zu versichern.

Massive Risikoprämie

Das Pendant für 15 europäische Staaten, der SovX-Index, notiert hingegen bei 83,90 Basispunkten. Demnach sorgen sich Anleger mehr um das aggregierte Ausfallsrisiko von Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder Frankreich als um die Zahlungsunfähigkeit europäischer Großkonzerne. Eine massive Risikoprämie gibt es aktuell auf griechische Staatspapiere: Die Kosten für eine Absicherung gegen einen Ausfall Griechenlands stehen momentan bei 350 Basispunkten. Dagegen liegen die entsprechenden Kreditausfallsderivate für Österreich in einem moderaten Rahmen von 85,26 Basispunkten.

UniCredit-Experte Purps sieht das Jahr 2010 als das Jahr der "Makrorisiken". Die Märkte würden viel sensibler auf Konjunkturdaten als auf Unternehmensergebnisse reagieren. Ausnahmslos alle europäischen Staaten haben ein Budgetproblem, womit die Sorgen auch in den kommenden Monaten nicht abebben werden, ist der Spezialist überzeugt.

Dass die rollende Angebotswelle an den Anleihenmärkten angesichts der Turbulenzen keine Abnehmer finden könnte, glaubt Purps allerdings nicht. Die Neuemissionen aus Irland und Spanien würden zeigen, dass Nachfrage nach Festverzinslichen bestehe. Eventuelle Probleme würden laut Purps ohnedies über den Preis geregelt werden, was den Investoren aktuell eine breite Spanne an Risikofreudigkeit offen lasse. "Man kann sich am Markt nach Risikowunsch diversifizieren, vor der Krise waren alle Risikoaufschläge de facto bei Null", so der Anleihenspezialist. (APA)

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    Anleger sorgen sich derzeit offenbar mehr um das aggregierte Ausfallsrisiko von Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder Frankreich als um die Zahlungsunfähigkeit europäischer Großkonzerne.

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