Der heimischen Bachforelle auf der Spur

21. Jänner 2010, 19:23
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Grazer Biodiversitätsforscher: Kaum mehr Fließgewässer ohne Einkreuzungen mit dem atlantischen Stamm

Graz - Mit genetischen Methoden widmen sich Grazer Wissenschafter der Erhaltung der Artenvielfalt in heimischen Bächen und Flüssen. So hat sich die österreichische Bachforellen-Population bereits stark mit Artgenossen aus dem Norden Europas vermischt, wie der Grazer Biodiversitätsforscher Steven Weiss bei Studien in der Steiermark und Kärnten herausgefunden hat.

Äußere Merkmale reichen oft nicht aus, die Arten der Tierwelt zu identifizieren - insbesondere, wenn es um die Unterscheidung verschiedener geografischer Populationen und nicht um die Spezies (Art) an sich geht. Steven Weiss vom Institut für Zoologie an der Universität Graz, der die Populationen anhand ihrer Erbsubstanz bestimmt, sieht den Fortbestand beispielsweise der Bachforelle, wie sie für Kärntner Fließgewässer typisch ist, gefährdet.

Europaweit mehrere Stämme

"Europaweit kommen mehrere Stämme der Bachforelle, Salmo trutta, vor. In Österreich finden sich zwei dieser Linien, nämlich die atlantische und die donaustämmige. Die Bachforellen in Kärntner Fließgewässern sollten natürlicherweise frei von atlantischen Einflüssen sein", so Weiss. Sie sind es aber nicht - und wie sich herausstellte, sind sie es in einem hohen Ausmaß nicht.

Status Quo

Weiss untersucht bei der Ermittlung der genetischen Herkunft der Fische die mitochondrielle DNS und zusätzlich nukleäre genetische Marker, sogenannte Mikrosatelliten. Seine Untersuchung der Genetik der Bachforellen zeigte, dass nur in vier von insgesamt fünfzehn untersuchten Bächen kein Genmaterial von atlantischen und damit standortfremden Formen der Bachforellen vorkommt. "In zwei Bächen enthielten die untersuchten Fische zu 100 Prozent Genmaterial von atlantischstämmigen Forellen", so Weiss. In der Steiermark hat Weiss lediglich zwei Fließgewässer im oberen Murtal gefunden, in denen noch keine Einkreuzungen mit dem atlantischen Stamm stattgefunden haben.

Die danubische Linie verschwinde, weil die atlantische Linie von modernen Züchtern und der Fischereiwirtschaft bevorzugt werde, so Weiss. Die atlantischen Bachforellen verdrängen sukzessive ihre nahen Verwandten aus den Nebenflüssen der Donau. So wertet es Weiss letztlich schon als "großen Erfolg", vier endemische Populationen, sprich "donaustämmige" Bachforellen gefunden zu haben.

In den Bundesländern ist man sich dieser Problematik durchaus bewusst: Die Fische aus den endemischen Populationen werden entnommen und Nachkommen für Besetzmaßnahmen herangezogen. "Entsprechende Versuche wurden in Kärnten bereits gestartet, einer auch in der Steiermark", so Weiss. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Archivbild einer Bachforelle, welche im Salzkammergut wieder angesiedelt wurde

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