Miliband hofft auf Spaltung der Aufstandsbewegung

21. Jänner 2010, 13:55
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Britischer Außenminister: Großteil der Kämpfer hat keine Verbindung zu Al Kaida

In einem Gastkommentar für den "New Statesman" erläutert der britische Außenminister David Miliband, warum er Vergleiche zwischen dem Afghanistan-Krieg und der US-Invasion in Vietnam für nicht gerechtfertig hält. "Während die Vietcong-Kämpfer geeint waren", schreibt Milliband, bestehe die afghanische Aufstandsbewegung aus verschiedenen Gruppierungen, die sich zum Kampf gegen die Besatzer zusammengeschlossen haben. Dieses Zweckbündnis könne man spalten.

So hätten zwar die Taliban-Kommandanten Beziehungen zum Terroristen-Netzwerk Al Kaida, der Großteil der Kämpfer sei aber von Stolz oder Profit- und Machtstreben getrieben. Man müsse Präsident Karzais Bemühungen, konservative Paschtunen von der Aufstandsbewegung wegzubringen, unterstützen.

Außerdem müsse man den Afghanen das Gefühl vermitteln, das der Staat fähig sein, die Ordnung aufrecht zu erhalten und eine funktionierende Justiz zu garantieren. Nur so könne verhindert werden, dass die Taliban mit ihrem Versuch, eine Parallelregierung zu etablieren und ihre eigenen Vorstellungen von Justiz durchzusetzen, Erfolg haben.

Ex-Taliban-Diplomat skeptisch

Ein früherer Taliban-Diplomat hat sich skeptisch über Präsident Karzais Pläne geäußert, die Taliban nach Abgabe ihrer Waffen wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Dieser Schritt werde die Friedensbemühungen nur behindern, sagte Abdul Salam Saif, der Botschafter der früheren afghanischen Taliban-Regierung in Pakistan war, der Nachrichtenagentur Reuters.

Eine Truppenverstärkung bei parallel angestrebten Friedensverhandlungen mache die Taliban misstrauisch, sagte Saif, der nach dem Einmarsch der Amerikaner mehrere Jahre im US-Gefangenenlagers Guantanamo inhaftiert war.

Afghanistan-Konferenz in London

Diplomaten zufolge sollen Taliban-Anhänger mit Arbeitsstellen, Ausbildung und wirtschaftlichen Anreizen überzeugt werden, die Waffen niederzulegen und der Gewalt abzuschwören. Es wird damit gerechnet, dass Karsai seine Pläne auf der internationalen Afghanistan-Konferenz in der kommenden Woche in London näher vorstellt.

Trotz zehntausender afghanischer und internationaler Soldaten im Land sind die Taliban derzeit so stark wie seit 2001 nicht mehr. Auf der Afghanistan-Konferenz am kommenden Donnerstag soll über das weitere Vorgehen am Hindukusch beraten werden. Dabei soll es auch um die Stärke der in Afghanistan stationierten ausländischen Truppen gehen. US-Präsident Barack Obama will mit einer massiven Aufstockung für eine Wende im Kampf gegen die Taliban sorgen. Von ihren Verbündeten erwarten die USA ähnliche Anstrengungen. (red/Reuters)

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    David Miliband mit dem Provinzgouverneur von Helmand, Gulab Mangal.

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