Neues Fördermodell für Österreichs Filmwirtschaft

21. Jänner 2010, 13:20
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Rabattmodell läuft ab Juli: Große Chancen und eine Warnung

Wien - Wie im vergangenen Juni (und eigentlich für Ende 2009) angekündigt, lanciert das Wirtschaftsministerium nach dem Vorbild des deutschen Rabattmodells das Fördermodell "Filmstandort Österreich" zusätzlich zu den jurygebundenen Filmförderungen. Nach der Notifizierung durch die Europäische Kommission wird "Filmstandort Österreich" im Juli 2010 starten. Unmittelbar nach der positiven Rückmeldung aus Brüssel können die Förderanträge elektronisch beim Austria Wirtschaftsservice (aws) eingereicht werden, welches die Vergabe mit der Austrian Business Agency (ABA) und dem Wirtschaftsministerium abwickelt.

Gefördert werden programmfüllende Kinofilme mit mindestens 79 Minuten Spiellänge bzw. Kinderfilme mit mindestens 59 Minuten Spiellänge, soferne die Herstellungskosten bei mindestens einer Million Euro liegen (bei Dokumentationen 200.000 Euro). Planungsvorteil für die Branche ist die kurze Frist von sieben Wochen, innerhalb der Förderentscheidungen fallen müssen. Zentrale Voraussetzung für Koproduktionen ist dabei, dass die österreichischen Herstellungskosten mindestens 25 Prozent der förderungsfähigen Kosten betragen. Die maximale Unterstützung für ein Einzelprojekt liegt bei 25 Prozent der förderfähigen Herstellungskosten bzw. bei 15 Prozent des jährlichen Budgets von "Filmstandort Österreich". Das Jahresbudget war mit 20 Millionen Euro geplant, "in Zeiten wie diesen" kam es zu Kürzungen:  2010 werden 5 Millionen Euro ausgeschüttet, 2011 und 2012 jeweils 7,5 Millionen.

Standortchancen ...

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner streute am Donnerstag - bei einer kurzfristig angesetzten Präsentation des Fördermodells mit Danny Krausz, dem Obmann des WKÖ-Fachverbandes Filmindustrie, sowie dem Schauspieler Karl Markovics - Optimismus: "Mit dieser Kreativitätsprämie stärken wir den Filmstandort Österreich und können die Abwanderung von Filmschaffenden aus wirtschaftlichen Gründen verhindern. Know-how und Wertschöpfung bleiben so im Land. Zugleich wird Österreich für internationale Koproduktionen und Kofinanzierungen mit einem heimischen Partner attraktiver".

"Der Dienstleistungssektor wird immer wichtiger. Das deutsche Beispiel zeigt, dass die Hebelwirkung zwischen den Förderausgaben und den folgenden Investitionen enorm ist", sagte Mitterlehner. Von 2007 bis 2009 wurden in Deutschland 302 Produktionen mit 172 Millionen Euro gefördert, was einen wirtschaftlichen Effekt von 1,1 Milliarden Euro ausgelöst hat. Angesichts der hohen Umwegrentabilität von Filmproduktionen werde auch der heimische Tourismus profitieren. So ließen sich laut Studien bis zu 20 Prozent der Touristen von Filmen bei ihrer Urlaubsplanung beeinflussen. 2008 wies die österreichische Filmwirtschaft einen Gesamtumsatz von über 660 Millionen Euro auf und beschäftigte mehr als 6.000 Mitarbeiter.

Optimistisch äußerte sich auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in einer Aussendung: "Mit der vorgestellten Wirtschaftsförderung wird eine langjährige Forderung der Filmschaffenden erfüllt. Nach der Erhöhung der Wiener und der bundesweiten Filmförderung sowie der des ORF wird damit eine weitere wichtige Säule der Filmförderung Wirklichkeit. Mit dieser Palette an Filmförderinstrumenten kann der zurecht ausgezeichnete österreichische Film in eine bessere Zukunft blicken".

... und Warnung vor Dumping

Lob mit Vorbehalt und Warnung kam von den Grünen: "Das präsentierte Fördermodell, mit dem die österreichische Filmwirtschaft gestärkt werden soll, ist selbstverständlich zu begrüßen", erklärt Kultursprecher Wolfgang Zinggl. "In Anbetracht der vielen künstlerischen und kommerziellen Erfolge der letzten Jahre ist die heimische Filmförderung trotz Erhöhungen immer noch krass unterdotiert, und insbesondere NachwuchsregisseurInnen haben es immens schwer, an Fördergelder zu gelangen. Es ist zu hoffen, dass die nun projektierte Film-Wirtschaftsförderung Kapazitäten für die Film-Kulturförderung frei macht."

Aber: "Mehr oder weniger alle europäischen Staaten versuchen zurzeit, Hollywood nach Europa zu locken. Ich warne vor Standort-Dumping", gab Zinggl zu bedenken. Die Stärke des österreichischen Films läge nicht im Blockbuster-Potenzial, sondern in der künstlerischen Qualität: "Es wäre daher in kulturpolitischer Hinsicht grundfalsch, die Kommerz-Komponenten heimischen Filmschaffens - etwa durch eine Fördervoraussetzung touristischer Umwegrentabilität - zu verstärken. Sollte dieser Fall eintreten, hätte das Wirtschaftsministerium - auch vor dem Hintergrund sinkender Kulturbudgets - dem österreichischen Film ein veritables Danaer-Geschenk gemacht." (red)

 

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