Lafontaine zelebriert sein Comeback

20. Jänner 2010, 17:49
9 Postings

Zwei Monate nach seiner Krebsoperation tritt der Chef der deutschen Linken, Oskar Lafontaine, wieder auf

Zwei Monate nach seiner Krebsoperation tritt der Chef der deutschen Linken, Oskar Lafontaine, wieder auf. Zwar mahnt er seine zerstrittene Partei, ob er die Linken weiterhin führen will, bleibt aber offen.

***

Für die Rückkehr auf die politische Bühne hat Oskar Lafontaine ein Heimspiel gewählt. Nicht in Berlin, sondern in Saarbrücken, beim Neujahrsempfang der Linkspartei, tritt er am Dienstagabend auf. Und dabei scheint zunächst alles so zu sein wie immer: "Oskar" redet sich eine Stunde lang in Rage, der völlig überfüllte Saal tobt vor Begeisterung.

Acht Wochen lang hat der an Prostatakrebs Erkrankte zuvor geschwiegen, und dieses Comeback nun war von vielen sehnsüchtig erwartet worden. Denn Lafontaines krankheitsbedingter Rückzug hat in der Partei einen Machtkampf ausgelöst, der die Linken viele Sympathien kostete.

Ost gegen West, Fundamentalisten gegen Reformer - so verlaufen die Fronten. Die Kritik vieler Ost-Linker entzündet sich nicht nur an Lafontaines Person und seinem autoritären Führungsstil. In den neuen Bundesländern, wo die Linkspartei mit der SPDbereits zusammenarbeitet, missfällt vielen die Fundamentalopposition Lafontaines. Doch dieser ließ auch bei seinem Comeback keinen Zweifel daran, dass er vor allem die Politik der Sozialdemokraten weiterhin mit aller Härte angreifen wolle. Deren "Fehlentscheidungen" (Erhöhung des Pensionsantrittsalters auf 67 Jahre, der Afghanistan-Einsatz oder die Sozialreformen) zu bekämpfen, gehöre zum "Markenkern" der Linken.

Daher, so Lafontaine, müsse jetzt auch mit den "überflüssigen Personalquerelen" in den eigenen Reihen Schluss sein. Ob sich dieser Wunsch erfüllt, ist allerdings fraglich. Frustriert vom Machtkampf mit Lafontaine, haben zwei Spitzen-Linke gerade aufgegeben. Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch will beim Parteitag im Mai nicht mehr als Bundesgeschäftsführer kandidieren. Das Verhältnis zwischen ihm und Lafontaine ist völlig zerrüttet.

Verhältnis mit Wagenknecht

Lafontaines Lager streut, es sei Bartsch gewesen, der dem Spiegel von einem Verhältnis Lafontaines mit der zum ganz linken Flügel zählenden Abgeordneten Sarah Wagenknecht berichtet habe. Und noch ein weiterer Realo schraubt sein Engagement zurück. Der Thüringer Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow kandidiert nicht mehr für den Parteivorstand.

Der Rückzug dieser beiden schwächt das Reformerlager ziemlich. Doch Ruhe wird kaum einkehren, denn schon meldet sich ein weiterer Gegner Lafontaines. Der ehemalige Wahlkampfchef und Vordenker Andre Brie rät den "ostdeutschen Realpolitikern" öffentlich, wieder um mehr Einfluss auf Bundesebene zu kämpfen.

Wie aber wird es an der Spitze der Partei weitergehen? Wird Lafontaine am Parteitag erneut als Vorsitzender der Linken kandidieren? Diesbezüglich bleibt er recht kryptisch. Weder kündigt er bei diesem ersten Auftritt seinen endgültigen Rückzug an, noch meldet er eine Kandidatur an. Nur so viel verrät die Sphinx von der Saar: "Auch für die Linke gilt: Niemand ist unersetzlich." (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Linkspartei soll nach Ansicht von Oskar Lafontaine weiterhin die SPD frontal angreifen. Ob er selbst Chef bleiben will, sagt er vorerst nicht.

Share if you care.