Die isländischen Tage und das spezielle Spiel

20. Jänner 2010, 17:57
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Österreich hofft auf Steigerung, Überraschung, Sieg und überhaupt. Eine ungewohnte Situation für Trainer Sigurdsson

Linz - Für Dagur Sigurdsson wird es sowieso ein ganz spezielles Match. Mehr als hundert Länderspiele hat er für Island bestritten am Donnerstag (18 Uhr, ORF 1) bestreitet er sein erstes Länderspiel gegen Island. Typische Journalistenfrage: Kann es ein Vorteil sein, dass Österreichs Handballer im zweiten EM-Spiel auf Landsleute ihres Teamchefs treffen? Typische Sigurdsson-Antwort: "Man wird sehen." Er hat sich, davon ist auszugehen, einiges einfallen lassen. Schon zu EM-Beginn war Titelverteidiger Dänemark trotz des 33:29-Erfolgs relativ verblüfft, speziell von einigen Spielzügen und generell von der Gegenwehr des Gastgebers.

Sigurdsson war mit Valur Reykjavík fünfmal Meister gewesen, ehe er in Deutschland und Japan spielte und zuletzt bei Bregenz als Spielertrainer eine zentrale Rolle innehatte. Der ganz große Erfolg mit dem Team blieb ihm versagt, durchaus große Erfolge für das kleine Land (317.593 Einwohner) waren aber der fünfte WM-Platz 1997, der vierte EM-Platz 2002, der neunte Olympia-Platz 2004. Den ganz großen Erfolg landete Island, als Sigurdsson schon Österreichs Teamchef war, mit Olympia-Silber 2008.

Der 22. August, an dem Island in Peking ins Finale einzog, wurde von Präsident Ragnar Grimsson zum Feiertag ausgerufen. Grimsson ging klugerweise auf Nummer sicher, indem er das Endspiel am 24. August zwar besuchen, aber nicht mehr abwarten wollte, es ging gegen Frankreich mit 23:28 verloren. "An einem starken Tag kann Island jeden Gegner schlagen" , sagt Österreichs Teamkapitän Viktor Szilagyi. Doch er weiß auch, was den Isländern in der postolympischen Saison passierte. Dabei denkt Szilagyi weniger an den Staatsbankrott nicht einmal zwei Monate nach dem Finale in Peking als daran, dass Island gegen Mazedonien sensationell die Qualifikation für die WM 2009 verpasste. Die Schlussfolgerung? "Erwischt Island nicht den besten Tag, ist für uns alles möglich."

Neben den Deutschen, die nach ihrer Niederlage gegen Polen Dienstag-Abend schon gehörig unter Druck standen, hatten freilich auch die Dänen zu WM-Beginn einen nicht berauschenden Tag erwischt. Vor allem die Deckung tat sich schwer gegen Szilagyi und Vitas Ziura, der mit sieben Goals der beste Werfer Österreichs war. "Mehr als anständig" nannte Szilagyi (4 Goals) die Ausbeute von 29 Toren insgesamt, folgerichtig sieht er Potenzial eher in der Abwehr. "Da haben wir nicht hundert Prozent gezeigt." So war der Erfolg der Dänen, von denen sich elf in die Torschützenliste eintragen konnten (Österreich sieben), letztlich nicht ernsthaft in Gefahr.

Dass sich Serbien und Island zu EM-Beginn unentschieden trennten, könnte den Österreichern helfen, die am Samstag gegen Serbien die Vorrunde beenden. Schon vorher weiß man, ob das Island-Spiel nur für den Teamchef speziell gewesen ist. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 21. Jänner 2010)

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    Dagur Sigurdsson bestreitet sein erstes Länderspiel gegen Island.

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