US-Luftwaffe setzt Hilfsabwürfe bis Mittwoch aus

19. Jänner 2010, 22:47
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Militär fürchtet Chaos an Abwurfstellen - Ärzte-Helfer kritisieren US-Flughafenkontrollore: Fünf Patienten seien wegen Landeverbot gestorben

Washington - Wegen Sicherheitsbedenken hat die US-Luftwaffe den Abwurf von Hilfsgütern aus Flugzeugen über Haiti bis mindestens Mittwoch ausgesetzt. Zunächst müsse gewartet werden, bis genügend US-Bodentruppen im Einsatz seien, um die Abwurfstellen zu schützen, sagte der Vizechef des US-Militäreinsatzes in Haiti, Daniel Allyn. "Beim Eintreffen der Hilfe müssen wir Chaos vermeiden", fügte der General hinzu. Nach der Landung von US-Marineinfanteristen in Haiti am Dienstag könnten die Abwürfe aber möglicherweise bereits am Mittwoch weitergehen.

Die Helfer befürchten, dass die notleidende Bevölkerung die Verteilstellen für die Hilfe stürmen könnte. Am Montag hatte die US-Luftwaffe in der Nähe von Port-au-Prince erstmals 14.500 Lebensmittelpakete und 15.000 Liter Trinkwasser aus einem tief fliegenden Flugzeug abgeworfen. Mit der Maßnahme solle ein weiterer Verteilungspunkt entstehen, um schneller an die Bevölkerung heranzukommen, hieß es dazu.

Kritik an Landeverboten

Unterdessen werden die US-Kontrollore des Flughafens von Port-au-Prince immer heftiger kritisiert: Einem Flugzeug mit medizinischer Ausrüstung für Erdbebenopfer sei seit Sonntag drei Mal die Landung verweigert worden, erklärte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Dienstag. "Fünf Patienten sind seitdem gestorben, weil das Material fehlte, das das Flugzeug geladen hatte", sagte ein Sprecher des von den Ärzten geleiteten Krankenhauses in Port-au-Prince.

Der französische Staatssekretär für internationale Zusammenarbeit, Alain Joyandet, hatte am Montag kritisiert, die USA würden den eigenen Truppentransportern und Hilfsflügen Vorrang vor den Flugzeugen aus anderen Ländern geben. Er forderte eine UNO-Untersuchung darüber, wie die USA den Flughafen leiteten. Ärzte ohne Grenzen (Medecins sans frontieres/MSF) wurde von Franzosen gegründet. (APA/AFP)

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