Hoteliers proben Aufstand gegen Kreditinstitute

19. Jänner 2010, 17:34
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"Unkooperative" Banken werden publikgemacht - Präsident Peer: "Nicht bereit, für deren Fehler zu büßen"

Zell am See - "Die Krise ist im Tourismus angekommen. Die Menschen sparen am Urlaub, das ist nicht zu übersehen." Peter Peer, der mit Sepp Schellhorn am Dienstag für weitere drei Jahre an der Spitze der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) bestätigt wurde, stimmte die Mitglieder beim Jahreskongress in Zell am See auf noch schwerere Zeiten ein. Und er ging zum Angriff auf die Banken über: "Wir sind nicht bereit, für deren Fehler zu büßen."

Seit Ausbruch der Finanzkrise vor 1,5 Jahren ist es insbesondere für die an Eigenkapitalschwäche leidende Tourismusbranche schwer, an Finanzierungen zu kommen. Und wenn ja, sind die Konditionen meist deutlich schlechter. Knapp vierzig Prozent der von der ÖHV vertretenen Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie musste 2009 einer Blitzumfrage zufolge Eingriffe in bestehende Kreditverträge hinnehmen. In die Verträge seien durchwegs Liquiditätsaufschläge hineinreklamiert worden, gaben Hoteliers zu Protokoll.

Leo Chini von der Wirtschaftsuniversität Wien empfiehlt den Hoteliers, von den Banken die Rückvergütung aller entstandenen Kosten zu fordern, und sieht die Chancen intakt, damit durchzukommen. Darüber hinaus rät Chini, gegen erfolgte Zwangskonvertierungen von Fremdwährungskrediten aufzubegehren, durch die einzelnen Betrieben zum Teil hohe Verluste entstanden sind. Die Rückführung in den ursprünglichen Vertragszustand sei nur recht und billig.

Deutschland senkt Steuer

Ab sofort wollen die Hoteliers aber auch in anderer Hinsicht den Spieß umdrehen: Statt einseitig von den Banken geratet zu werden, wollen sie ab sofort selbst die Kreditinstitute einer kritischen Bewertung unterziehen. Die Idee für den "Bankencheck" stammt vom Salzburger Hotelier Wilfried Holleis (Salzburger Hof, Grand Hotel Zell/See).

Der Check ist im Wesentlichen ein Fragebogen im Internet, der nach einem Kreditgespräch in zehn Minuten ausgefüllt werden kann. Kommendes Jahr sollen die "tourismusfreundlichste" Bank, aber auch die "unkooperativen" Institute publikgemacht werden.

Die deutsche Regierung hat unterdessen die angekündigte Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Hotelübernachtungen von 19 auf 7,0 Prozent beschlossen. ÖHV-Chef Peer verlangt unter Hinweis auf Wettbewerbsverzerrung eine Senkung auch in Österreich. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2010)

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