Algerische Feministin entging Benzin-Attentat

15. Jänner 2010, 18:17
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Zwei Männer lauerten der Schauspielerin auf und beschimpften sie als "Hure" und "Ungläubige" - PolitikerInnen verurteilen Tat

Paris - Eine algerische Theaterschauspielerin ist in Paris angegriffen und mit Benzin bespritzt worden. Zwei Männer hätten sie von hinten festgehalten, als sie gerade zur Aufführung ihres Stückes im elften Bezirk gegangen sei, berichtete Rayhana, die am Freitag von Familienstaatssekretärin Nadine Morano empfangen werden sollte. Zwei Männer hatten der 45-Jährigen am Dienstag aufgelauert und als "Hure" und "Ungläubige" beschimpft. Dabei warfen sie der Frau eine Zigarette ins Gesicht, die jedoch ausgegangen war.

Staatssekretärin Morano erklärte, die Tat sei nicht hinnehmbar. Auch Kulturminister Frédéric Mitterrand drückte Rayhana seine Unterstützung aus ebenso wie VertreterInnen der linken Opposition. Die Schauspielerin steht noch bis Samstag auf der Bühne in einem Stück, in dem es um neun algerische Frauen geht. Sie habe keine Vorführung ausfallen lassen, seit sie am Dienstagabend angegriffen worden sei, und werde auch weiterhin spielen, sagte Rayhana - schon allein um zu zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lasse.

Demo gegen Attentat

Vor dem Pariser Theater, vor dem die Theaterautorin und Feministin mit Benzin überschüttet und beschimpft worden war, findet als Zeichen der Solidarität an diesem Samstag eine Kundgebung statt.

Auch Familien-Staatssekretärin Nadine Morano erklärte sich mit der Künstlerin solidarisch, der Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoe verurteilte in einer Pressemitteilung den Angriff aufs "Schärfste".

Die Feministin setzt sich in ihren Arbeiten mit der Diskriminierung von Frauen in muslimischen Gesellschaften auseinander. Ihr jüngstes Stück "In meinem Alter verstecke ich mich noch wenn ich rauche" handelt von neun Frauen, die in einem traditionellen Bad über die politische, soziale und sexuelle Gewalt in Algerien diskutieren.

"In diesem Entwicklungsland haben die Frauen das Recht auf Bildung und Berufsausübung. Doch leider werden ihr staatsbürgerliches Bewusstsein und ihr demokratischer Wille von der traditionellen Religion unterdrückt", sagte Rayhana im Dezember einer französischen Zeitung. In Algerien wurde sie von Islamisten mit dem Tode bedroht, seit 2000 lebt sie in Frankreich. (APA)

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