Wachdienst an Uni Wien sorgt für Wirbel

22. Jänner 2010, 13:24
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Auf Homepage von Security-Firma wurde mit Bewachung von Militäranlagen im Jahr 1940 geworben - Forum Zeitgeschichte ließ Hintergrund prüfen

Seit das Audimax wieder zum Studieren freigegeben ist und die protestierenden Studierenden abgezogen sind, werden die Eingänge der Universität Wien abends von einer Security-Firma überwacht. SECUROP heißt diese, gegründet von einem mehrfach ausgezeichneten Offizier im ersten Weltkrieg.

Dass diese Firma auf ihrer Homepage allerdings unter dem Link "Unternehmensgeschichte" mit Einsätzen zur Zeit des zweiten Weltkrieges in Niederösterreich und Mähren wirbt, war der Universität nicht bewusst. "1940: Erster Großauftrag zur Bewachung akut gefährdeter Militäranlagen in Niederösterreich, Wien und Mähren", heißt es dort selbstbewusst. Einen Studenten hat diese Aussage stutzig machen lassen - um nicht zu sagen schockiert - deshalb forderte er in einem Brief die Universität Wien auf, den Vertrag mit der Firma SECUROP umgehend aufzukündigen.

Institut zur Untersuchung beauftragt

Die Uni Wien beauftragte daraufhin einen Wissenschafter vom Institut für Zeitgeschichte damit, den Vorwürfen, es könnte sich dabei möglicherweise um Beteiligungen an NS-Verbrechen handeln, nachzugehen. Er sollte herausfinden, um welche Einsätze es sich damals gehandelt haben könnte. In Mähren wurde zu dieser Zeit  (im Jahr 1940) unter anderem das KZ Theresienstadt in Betrieb genommen. Beim Dokumentationsarchiv für den österreichischen Widerstand war die Firma nicht einschlägig bekannt. "Wir sind den Vorwürfen gewissenhaft nachgegangen, aber diese haben zu keinem Ergebnis geführt", sagt Cornelia Blum, Sprecherin des Rektorats.

Siegfrid Frisch, Geschäftsführer von SECUROP, beteuert im Gespräch mit derStandard.at, dass für ihn nicht nachvollziehbar ist, um welche Bewachung von Militäranlagen es sich damals gehandelt habe: "Mein verstorbener Vater hat diese Zeilen formuliert, ich habe allerdings keine näheren Unterlagen dazu gefunden." Dass er bisher die Aussagen auf seiner eigenen Firmenhomepage nicht als problematisch empfunden habe, erklärt er so: "Ich schaue mir die eigene Homepage nur selten an und habe dem bisher keine Beachtung geschenkt. Das ist im Nachhinein natürlich ärgerlich."

Keine Anhaltspunkte

Frisch hat die entsprechende Passage mittlerweile gelöscht - einen weiteren Eintrag über "Sonderaufträge für amerikanische Besatzungsmacht" ebenfalls, da er keine entsprechende nachvollziehbare Informationen im Firmenarchiv finden konnte. "Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass ich niemals Sympathien für nationalsozialistisches Gedankengut hegen würde, dasselbe gilt für meinen Großvater und Vater. Mein Vater war - im Gegenteil - ein bekennender Monarchist", erzählt Frisch. Die Uni Wien sieht nach der Untersuchung jedenfalls keine Veranlassung den Vertrag mit SECUROP zu kündigen: "Wir nehmen jeden Vorwurf ernst und sind diesem gewissenhaft nachgegangen, es gibt aber keinen problematischen Befund", heißt es von Seiten der Uni Wien gegenüber derStandard.at. (derStandard.at, 21.01.2010)

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    Das Hauptgebäude der Universität Wien wird von der Security Firma Securop bewacht, deren Unternehmensgeschichte nach wie vor im Dunkeln liegt.

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