Hypo verspekulierte über Jersey hunderte Millionen

11. Jänner 2010, 17:41
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Die Investments in toxische Papiere machten in den besten Zeiten mehr als 800 Millionen Euro aus

Die Kärnten Hypo hat hunderte Millionen über ein Investmentvehikel in Jersey versenkt. Die Investments in toxische Papiere machten in den besten Zeiten mehr als 800 Millionen Euro aus. Dazu kamen Island und Lehman.

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Bei der Aufklärung des Hypo-Absturzes werden die Behörden wieder einmal auf Jersey stoßen. Kein gutes Omen, bedenkt man, wie sehr der Sitz der Meinl European Land (heute Atrium) auf der Kanalinsel die Ermittlungen im Falle Meinl erschwert. Bei der Hypo Alpe Adria geht es um hunderte Millionen Euro, die in Jersey aufgenommen, veranlagt und großteils in den Sand gesetzt wurden. Der Reihe nach: Jersey gilt aus steuerlichen Gründen als attraktiv für die Aufnahme von Eigenkapital, weshalb sich dort auch österreichische Banken mit Spezialgesellschaften tummeln. Der Gesetzgeber hat diese Konstruktion beflügelt, indem er den Emissionserlös dieser Vehikel als Kernkapital anerkannte.

Die Hypo setzte erstmals 2001 den Fuß auf die Channel Islands, begab 75 Mio. Euro und wiederholte den Vorgang 2004, um die Kapitalbasis um 150 Mio. Euro aufzufetten. Ende 2005 wurden die Kärntner kreativer. Sie gründeten gemeinsam - dem Vernehmen nach mit der Deutschen Bank (und die wiederum über einen Ableger im US-Steuerparadies Delaware) - die HB International Credit Management in Jersey. Diese steckte 400 Mio. Euro in zwei Töchtergesellschaften mit den bezeichnenden Namen Carinthia I und II. Die investierten wiederum in Papiere unterschiedlicher Bonität, welche von der Deutschen Bank über zwei Sondergesellschaften ausgegeben wurden.

Nicht nur der ÖBB brachten komplexe Geschäfte mit der Deutschen Bank kein Glück, auch die Hypo verbrannte viel Geld. 2007 verlor die Credit Management wegen der verfallenden US-Häuserpreise via Kanalinsel 210 Mio. Euro. Das Engagement in toxische Wertpapiere hatte sich zu diesem Zeitpunkt auf 842 Mio. Euro summiert. Hypo und Deutsche Bank schossen 2007 neuerlich 400 Mio. Euro in die Credit Management ein. 2008 ging die Talfahrt weiter, die Hypo musste laut Geschäftsbericht neuerlich 56 Mio. Euro abschreiben. Dazu kamen Verluste aus der Pleite von Lehman Brothers und dreier isländischer Banken, deren Produkte ebenfalls reißenden Absatz fanden.

Tappen im Dunkeln

Die Aufsicht hat das Jersey-Abenteuer bereits einmal durchleuchtet, tappte aber teilweise im Dunkeln. Zu den ersten Tranchen der Jahre 2001 und 2004 hielt die Notenbank später fest: "Seitens der HBInt konnte den Prüfern keine Liste der Investoren - auch nicht der Erstzeichner - zur Verfügung gestellt werden, da laut Auskunft der Bank die Emission über die Deutsche Bank durchgeführt wurde." Das seit 2005 gedrehte große Rad in Jersey war den Prüfern 2007 keine kritische Würdigung wert. Die Hypo verfügte mit der Credit Management jedenfalls über eine Art Eigenkapitalmaschine: Jeder Euro, der vom 49-Prozent-Partner kam, konnte im Konzern voll als Eigenkapital ausgewiesen werden. In Zahlen: Von ursprünglich 400 Mio. Euro Eigenkapital der Credit Management kamen 204 von der Hypo, die aber auch die 196 Millionen des Partners konsolidieren konnte.

Die intransparenten Geschäfte in Liechtenstein sind dagegen schon früher aufgefallen, wenn auch ohne Folgen. Den Wirtschaftsprüfern von Ernst&Young etwa, die für die BayernLB 2007 die Due Diligence machten. Die Hypo Alpe Adria Bank Liechtenstein betreibe "On- und Offshore-Geschäft mit überwiegend ausländischen Kunden aus Ex-Jugoslawien, eine wesentliche Ertragsquelle bildeten gruppeninterne Geschäfte" . Welche, wusste man nicht, denn "Erklärung zu Umfang oder Art der gruppeninternen Geschäfte" oder "aktuelle Berichte" nach 2003 gab es nicht.

2005 hatte Wirtschaftsprüfer Deloitte Grund für Beanstandungen gefunden, besonders bei der Kreditvergabe für die Finanzierung von Grundeigentum in Kroatien: Erarbeitet wurden die von der Hypo in Österreich, die leitete das Geschäft weiter nach Liechtenstein und übernahm auch die Bonitätsprüfung, Sicherungsdokumente gebe es keine, schrieben die Prüfer. "Die Bank in Liechtenstein erfuhr aus Österreich, dass es üblich sei, Kredite mit hypothekarischer Deckung auszuzahlen - bevor die Sicherungsdokumente erstellt wurden. Dem können wir in Liechtenstein nicht zustimmen und haben daher eine Beanstandung angebracht." Die Hypo Liechtenstein wurde, wie berichtet, 2008 verkauft, der Kauf wurde im Vorjahr rückgängig gemacht, nun wird die Bank liquidiert. (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.01.2010)

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