2010, Jahr der Handys

31. Dezember 2009, 10:53
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Mobilfunker mögen ihren Zenit überschritten haben, doch das Handy hat die besten Jahre noch vor sich

Es ist paradox: Die Mobilfunker haben ihren Zenit überschritten, Umsätze und Gewinne gehen trotz steigender Nutzung zurück. Das Handy selbst hat hingegen die besten Jahre vor sich, und 2010 wird es als unser wichtigster digitaler Begleiter den PC endgültig beiseite schieben.

Fetisch

Von Anfang an war das Handy ein geborener Fetisch, ein Zauberstab, der das Gefühl gibt, die Welt steuern zu können. Und der soziale Effekt von Handys ist ein verbindender: Es ist de facto für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Das erklärt, warum Mobiltelefonie schneller als irgendeine Technologie davor von null auf hundert beschleunigte.

SMS

Der wichtigste evolutionäre Schritt der Mobiltelefone war wohl die Entdeckung der SMS-Funktion durch Jugendliche in Helsinki, die so billiger und einfacher als per Anruf ihr Sozialleben organisieren konnten. SMS ist mittlerweile die Basistechnologie für Milliarden Menschen rund um den Globus, um die "digitale Kluft" zu schließen. SMS bringen News, besorgen Geldtransfers, helfen einem Handwerker in den Slums von Mumbai, seine Arbeitskraft effizienter zu verkaufen.

Smartphone

In industrialisierten Ländern (und Schwellen- und Entwicklungsländer werden viel schneller aufholen als bei früheren technologischen Evolutionen) sind Smartphones auf dem Sprung zum universellen Assistenten. Von der SMS-Nutzung führt der Weg zu Mail und sozialen Netzen wie Facebook oder Twitter. Die Kamera dient nicht nur zur Erinnerung oder Mitteilung, sondern kann Gebäude erkennen und Barcodes entziffern, um Information zu liefern. Spracheingabe erleichtert die Verwendung von Suche, GPS dient zur Orientierung und macht uns auf Sonderangebote beim Einkauf aufmerksam. Smartphones können Menschen mit chronischen Erkrankungen von Asthma bis Zucker unterstützen, ihren Lebensstil anzupassen, oder ihren Angehörigen ermöglichen, ihnen dabei zu helfen.

App-Revolution

Nachdem uns die Handy-Industrie eine solch rosige Zukunft viele Jahre ausmalte, ohne sie zu liefern, ist der Durchbruch in den letzten Jahren mit "Apps" gelungen: Erst dadurch hat eine Heerschar von Entwicklern begonnen, ungezählte neue Ideen in die Praxis umzusetzen.

Gesunde Konkurrenz treibt diese Entwicklung voran: Nachdem Apples iPhone für die ganze Branche das Eis gebrochen hat, sind jetzt Googles Android, Blackberry und Nokias Kampf um die frühere Vormachtstellung die Treiber auf diesem Markt. Microsoft sieht hingegen immer mehr wie ein Loser im Mobilfunkmarkt aus. 2010 wird jedenfalls ein spannendes Jahr.

(Helmut Spudich, DER STANDARD/Printausgabe, 31.12.2009)

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    2010: Das Handy hat eine rosige Zukunft vor sich.

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