"Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"

3. April 2003, 16:43
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BRD: Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter verläuft nach Plan

Berlin - Die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter des NS-Regimes ist weiterhin im Plan: Bisher sind 2,105 Milliarden Euro für rund 1,24 Millionen Berechtigte ausgezahlt worden, die Auszahlungen sollen 2005 abgeschlossen sein, teilte die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" am Donnerstag in Berlin mit. Kuratoriumsvorsitzender Dieter Kastrup gab Pläne bekannt, nach denen in Anlehnung an das Shoah-Projekt von Starregisseur Steven Spielberg bis zu 1.000 Interviews mit Betroffenen geführt werden sollen.

Die Auszahlungen seien in 79 Staaten weltweit erfolgt, erklärte Kastrup. In der Ukraine wurden den Angaben zufolge bislang knapp 364.000 Menschen entschädigt, in Russland mehr als 105.000, in Tschechien rund 67.000 und in den USA 36.510. Bis zu 15 Prozent der Zwangsarbeiter hätten das Geld auf Grund von Todesfällen, aber auch wegen Krankheit oder Wohnungswechsel, nicht entgegennehmen können.

Probleme

In diesen Fällen werde nach "Sonderrechtsnachfolgern" gesucht. Dabei gebe es jedoch "zunehmende Probleme logistischer und administrativer Art", da die Anspruchsberechtigten teilweise über die ganze Welt verstreut lebten. Insgesamt seien 222.880 Ablehnungen verschickt worden.

Wie Kastrup weiter erklärte, ist bei der tschechischen Partnerorganisation noch in dieser Woche mit dem Abschluss der ersten Ratenauszahlung zu rechnen. In Polen werde dies voraussichtlich im Juni oder Juli der Fall sein, ähnlich sei die Lage in Weißrussland. Bei der ukrainischen Partnerorganisation und der Jewish Claims Conference (JCC) sei damit bis Anfang 2004 zu rechnen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) sowie die russischen Partnerorganisation würden diesen Stand wohl erst im Laufe des nächsten Jahres erreichen.

Bei dem noch in Planung befindliche Interview-Projekt werde es möglicherweise eine Zusammenarbeit mit der von Spielberg gegründeten Shoah-Stiftung geben, hieß es. Spielberg hatte die Stiftung während der Dreharbeiten zu "Schindlers Liste" ins Leben gerufen, nachdem ihm viele Überlebende über ihre Vergangenheit während der Nazi-Zeit berichtet hatten. Ziel war es, diese Zeitzeugenberichte zu sammeln und allgemein zugänglich zu machen.

Eine ähnliche Vorgabe verfolge auch die Stiftung, erläuterte Kastrup. Viele der überlebenden Zwangsarbeiter hätten den Wunsch geäußert, über ihr Leben zu berichten. Die Interviews sollen möglichst von Jugendlichen geführt, auf Videos produziert, archiviert und der Forschung, Dokumentationen sowie Erinnerungsveranstaltungen zur Verfügung gestellt werden.

Wie Kastrup nach der zwölften Kuratoriumssitzung der im August 2000 per Gesetz eingerichteten Stiftung weiter mitteilte, wurde die Einrichtung eines neuen Förderprogramms beschlossen. Unter dem Titel "Geschichte und Menschenrechte" wolle die Stiftung die junge Generation zu "Toleranz, Respekt, selbstständigem Denken, Zivilcourage sowie politischem Engagement ermutigen." Im ersten Haushaltsjahr stünden dafür drei Millionen Euro zur Verfügung ergänzte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Michael Jansen. (APA/AP)

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