Engpass bei wissenschaftlichem Nachwuchs

4. April 2003, 14:59
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"Eurobarometer"-Umfrage in Beitrittsländern erhob Einstellung - EU will Forschung ankurbeln

Brüssel - In den osteuropäischen Beitrittsländern muss in den kommenden fünf bis zehn Jahren bei unverändertem Trend mit einem Engpass beim wissenschaftlichen Nachwuchs gerechnet werden. Darauf wies EU-Forschungskommissar Philippe Busquin am Donnerstag bei der Vorlage der ersten "Eurobarometer"-Umfrage zur Einstellung der Bürger der Kandidatenländer gegenüber Wissenschaft und Technologie hin. Wegen der niedrigen Gehälter für Forscher strebten junge Leute weit häufiger besser bezahlte Berufe in der Wirtschaft an, so Busquin.

Weitere Ergebnisse der Umfrage, die im vergangenen November bei 12.247 Personen ab dem Alter von 15 Jahren durchgeführt wurde: Der Widerstand gegen Tierversuche ist in den Beitrittsländern geringer als in der EU. Im Durchschnitt sind 63 Prozent für die Tests, wenn damit Gesundheitsprobleme gelöst werden können gegenüber nur 22 Prozent in der EU.

Der Aberglaube ist weiter verbreitet als in der EU. Überraschend für die EU-Kommission stufen deutlich mehr Jugendliche in den Beitrittsländern Astrologie als "Wissenschaft" ein (54 Prozent gegenüber 45 Prozent in der EU) und glauben an "glücksbringende Zahlen". Paramedizinischen Wissenschaften wird mehr Vertrauen entgegengebracht als in der EU.

Geringeres Interesse

Insgesamt ist das Interesse an Wissenschaft und Technologie in den Kandidatenländern deutlich geringer als in der EU-15: nur jeder Dritte äußerte Interesse dafür gegenüber 54 Prozent in den EU-Ländern, 56 Prozent machen sich überhaupt nichts daraus gegenüber 45 Prozent in der EU. Eine Ausnahme bilden Ungarn, Slowenien, Malta und Zypern, wo 50 Prozent Interesse bekundeten.

Kritischer als die EU-Bürger zeigten sich die Osteuropäer gegenüber der Darstellung wissenschaftlicher Themen in den Medien: Rund 70 Prozent bemängelten die Qualität der Informationen gegenüber 53 Prozent in der EU. Die EU-Europäer wiederum sind gegenüber Wissenschaft und Technologie negativer eingestellt als ihre Nachbarn. Während die Hälfte der Bürger in den Beitrittsländern der Wissenschaft zutrauen, alle Probleme lösen zu können, sind nur 15 Prozent der EU-Bürger dieser Ansicht.

Die gleiche Angst eint dagegen Ost- und Westeuropäer vor gentechnisch manipulierten Lebensmitteln, wie 52 bzw. 54 Prozent der Befragten angaben.

Forschung ankurbeln

Die Europäische Kommission kurbelt die Teilnahme der 13 EU-Kandidatenländer an der europäischen Forschung mit 13 Mio. Euro an. Damit soll die Beteiligung der Länder am 6. Forschungsrahmenprogramm (FP6) in der Höhe von 17,5 Mrd. Euro stimuliert und erleichtert werden. Die Einreichfrist für förderwürdige Projektvorschläge endet am 26. Juni 2003.

Neun der 13 Mio. Euro werden besonderen Unterstützungsmaßnahmen wie etwa die Errichtung virtueller Netzwerke zur Verfügung gestellt. Vier Mio. Euro sind für bestimmte thematische Schwerpunkte des sechsten Rahmenprogramms reserviert. Diese sind Nanotechnologie, Luftfahrt, Lebensmittelqualität und -Sicherheit, nachhaltige Energiesysteme und Transportmittel. Ähnliche Maßnahmen wurden bereits für die zwei weiteren Schwerpunktthemen: "Technologien für die Informationsgesellschaft" und "Staatsbürger und Regierungen in einer wissensbasierten Gesellschaft" getroffen. Im Juli 2003 sind für die Kandidatenländer auf den Gebieten "Life Sciences, Genomik und Biotechnologie für die Gesundheit" bzw. für "Globale Veränderungen und Ökosysteme" weitere Förderungen geplant. (APA/pte)

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