Insgesamt neun Greifvögel getötet

3. April 2003, 10:54
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WWF und BirdLife: Erste Erfolge von Schutzprojekten in Frage gestellt - Konsequenzen gefordert

Wien - Im Weinviertel und im Seewinkel haben Giftleger in den vergangenen Wochen neun Greifvögel getötet. Jahrelange Bemühungen und erste Erfolge von Schutzprojekten sind in Frage gestellt, warnten WWF und BirdLife am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wien und forderten Konsequenzen. "Die Verwendung von Gift gegen Greifvögel und Beutegreifer ist eine Schande für den Artenschutz", kritisierte WWF Präsident Helmut Pechlaner.

Seltene Arten wie See- und Kaiseradler fielen den vergifteten Ködern zum Opfer, hieß es. In den vergangenen 14 Jahren wurden fast 20 Seeadler in Ostösterreich auf diese Art getötet. 2001 war nach 50 Jahren die erste Brut eines Seeadlers in Österreich beobachtet worden. Die Giftköder sind laut den Experten eine der Hauptursachen, warum das Wappentier in Österreich nur sehr schwer Fuß fassen kann.

Nervengift Carbofuran

Bei allen verendeten Tieren sei das hochwirksame Nervengift Carbofuran nachgewiesen worden, das im Ackerbau als Pestizid Verwendung findet, erklärten die Vogelschützer. "Kurz nach der Aufnahme des Gifts ist ein Vogel in der Regel bereits flugunfähig, und ein qualvoller Todeskampf, begleitet von Muskelkrämpfen und Atemlähmung beginnt", schilderte Gerhard Loupal von der Veterinärmedizinischen Universität in Wien und Präsident von BirdLife Österreich die Symptome.

Für das nächste Winterhalbjahr kündigte der WWF eine massive Kampagne gegen die illegale Giftlegerei an. Vor allem die Aufklärungsarbeit für Jäger müsse intensiviert werden, hieß es. Zur Wiedergutmachung rief die Organisation die Jägerschaft auf, aktiv Maßnahmen zum Seeadlerschutz durchzuführen.

Internationale Rechtsnormen

Neben den Jagdgesetzen, die Gift verbieten, ist Österreich auch durch internationale Rechtsnormen zum Schutz der seltenen Greifvogelarten verpflichtet, erinnerten die beiden Organisationen. See- und Kaiseradler, Uhu sowie der Rotmilan sind durch die EU-Vogelschutz-Richtlinie und die Berner Konvention geschützt. Durch die "Rio-Konvention", ein Übereinkommen über die biologische Vielfalt, ist Österreich zur Erhaltung seiner Biodiversität verpflichtet.

Das Auslegen von Gift ist "kein Kavaliersdelikt", erinnerten die Experten. Neben einer Verwaltungsstrafe nach dem Jagdgesetz müsse auch der Tatbestand der Tierquälerei geahndet werden, hieß es. Die Organisationen forderten darüber hinaus, dass derartig gravierende Eingriffe in die Biodiversität Österreichs nach dem Strafgesetz strafbar gemacht werden sollen. (APA)

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