Wiener Katalog zur Filmpolitik

2. April 2003, 14:10
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Mailath-Pokorny appelliert an Bund - Peter Zawrel bleibt Geschäftsführer des Filmfonds Wien

Wien - Einen filmpolitischen Maßnahmenkatalog an die Bundesregierung präsentierten am Mittwoch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und der Geschäftsführer des Filmfonds Wien (FFW), Peter Zawrel, dessen Vertrag über Herbst 2003 hinaus für weitere vier Jahre verlängert wurde.

Agenda 2006

Der elf Punkte umfassende Katalog basiert auf der "Agenda 2006", die im Jänner im Rahmen eines ersten vom Kulturamt und FFW initiierten "Wiener Filmgesprächs" entwickelt wurde. Zentrale Forderungen betreffen Novellierungen des Filmförderungsgesetzes, des ORF-Gesetzes und des Privatfernsehgesetzes.

Das Papier ist als "Diskussionsplattform für den Bund, die Filmwirtschaft und andere Förderungspartner" gedacht. Die Kräfte für den Film müssten jetzt gebündelt werden, so Mailath-Pokorny: "Der österreichische Markt ist zu klein, als dass wir es uns leisten könnten, gegeneinander zu arbeiten."

"Transparenz und Breite des Dialogs"

So plädiert man für die Wiederherstellung der ORF-Gebührenbefreiungsrefundierung und die Aufhebung der ORF-Werbebeschränkungen, für die Einführung einer Fernsehabgabe und einer Kinoabgabe, die der Filmförderung zu Gute kommen sollen.

Vermisst wird die "Transparenz und Breite des Dialogs", wie sie etwa in Deutschland praktiziert werde. Dort habe die Kulturministerin ein kulturpolitisches Konzept ins Internet gestellt, auf dessen Basis ein neues Filmförderungsgesetz entwickelt wird. Zu dem vom Bund geplanten Fernsehfilmförderungsfonds signalisierte Mailath-Pokorny die Bereitschaft, sich zu beteiligen, meinte aber, es könne nicht so sein, dass damit nur "das Sparpotenzial des ORF auf die Öffentliche Hand ausgelagert wird".

"Luxemburger Modell"

Weitere Forderungen des Katalogs sind die Anhebung der Bundesfördermittel auf europäisches Niveau (mindestens 20 Mio. Euro) sowie die Schaffung von Anreizen für privates Investment durch die Steuergesetzgebung. Als Vorbild dient insbesondere das "Luxemburger Modell" (steuerliche Vergünstigungen in Form von Bescheinigung von Kapitalanlagen), das dort zwischen 1999 und 2001 für eine Vervierfachung des Produktionsvolumens gesorgt hat, während im selben Zeitraum in Österreich lediglich ein Zuwachs von zehn Prozent zu verzeichnen war.

Angeregt wird weiters die intensivere Zusammenarbeit von Bund und Ländern (u.a. Vereinheitlichung der Ziele der Förderinstrumente) und mit mittel- und osteuropäischen Ländern (im Bereich von Koproduktionsabkommen, Finanzierungsmodellen und der Ausbildung). Außerdem solle das Ausbildungsangebot verbessert, Film und Medien in den Bildungsinstitutionen verankert, die Erhaltung und Vermittlung des heimischen audiovisuellen Erbes gesichert und Rahmenbedingungen für die Herstellung eines jährlichen Filmwirtschaftsberichts geschaffen werden.

Positiver Wirtschaftsbericht

Einen solchen hat der FFW für 2002 bereits vorgelegt. Daraus geht unter anderem hervor, dass mit 5,7 Mio. Euro eine Wertschöpfung von rund 23,5 Mio. Euro erzielt wurde, also jeder investierte Euro vierfach zurückkam. Mit einem Modell für die LehrerInnenausbildung, Enqueten zur Ausbildung oder einer Schulfilmwoche hat der FFW auch andere Punkte des Maßnahmenkatalogs für Wien und die "Vienna Region" bereits in Angriff genommen. Wenn man den Katalog in den kommenden drei bis vier Jahren verwirklichen könne, lasse sich auch die Erfolgsserie des heimischen Films fortsetzen, äußerte sich der Kulturstadtrat zuversichtlich. Das nächste Wiener Filmgespräch ist für kommenden Herbst geplant.

Lob und Kritik von den Grünen

Für die Grünen begrüßt die Wiener Kultursprecherin Marie Ringler "ausdrücklich die Verlängerung von Peter Zawrel als Geschäftsführer des Filmfonds Wien", kritisiert jedoch eine Verzögerung bei Verhandlungen und Reformschritten, etwa beim von den Grünen vorgeschlagenen Modell zur Kino-Vergnügungssteuer. (APA)

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    Peter Zawrel

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