Laut Experten kein Sieg der Linken

28. Dezember 2009, 14:29
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Politologe: SDP-Dissident Bandic steht rechtem Populismus nahe

Zagreb - Obwohl der künftige kroatische Staatspräsident höchstwahrscheinlich von der sozialdemokratischen Partei kommen wird, ist das laut Experten kein wirklicher Triumph der Linken in Kroatien. Am 10. Jänner wird neben dem seit der ersten Umfrage unangefochten führenden offiziellen Kandidaten der Sozialdemokraten (SDP), Ivo Josipovic (52), auch der SDP-Dissident und Zagreber Bürgermeister Milan Bandic (54) in die Stichwahl gehen. Aber Bandic ist nach Meinung vieler kein wirklicher Sozialdemokrat.

Bandic sei formal zwar Sozialdemokrat, aber politisch, von seinen Werten und seinem Stil her, stehe er dem rechten Populismus viel näher, sagte Drazen Lalic, Professor an der Zagreber Fakultät für Politikwissenschaften. Nach Ansicht des Soziologen und Politologen ist Bandic ein Politiker wie Silvio Berlusconi: "Er greift jeden an, wo er nur kann: Er ist einfach ein Populist." Das findet auch Branko Mijic, Kommentator der Tageszeitung "Novi list": "Bandic macht sozialdemokratische Politik nur dann, wenn es darum geht, Stimmen zu holen."

Keine linken Stimmen für Bandic

Linksorientierte kroatische Wähler haben Josipovic, (32,4 Prozent), die Kandidatin der liberal-bürgerlichen HNS (Volkspartei), Vesna Pusic, (7,25 Prozent) und den Kandidaten der regionalen IDS (Istrische demokratische Versammlung, 3,87 Prozent), unterstützt. Diese drei Parteien wollten schon nach den Parlamentswahlen 2007 eine Koalition bilden, hatten aber nicht genug Abgeordnete. Die Stimmen dieser Wähler sind Josipovic in der Stichwahl so gut wie sicher. Bandic kann mit den linken Stimmen aber nicht rechnen, meint Mijic: "Bandic ist ein Rechter, der Mitglied der SDP war, aber auch kein echter Kandidat der Rechten."

Neben eigenen Wählern könnte Bandic theoretisch auch mit Wählern rechnen, die den Kandidaten der regierenden national-konservativen HDZ (Kroatische demokratische Gemeinschaft), Andrija Hebrang, und einige andere unabhängige Kandidaten gewählt hatten. Hebrang und zwei HDZ-Abtrünnige, der ehemalige Wirtschaftsminister Nadan Vidosevic und der ehemalige Wissenschaftsminister Dragan Primorac, haben gemeinsam 29,6 Prozent der Stimmen. Zusammen mit den 4,09 Prozent Stimmen, die der Sohn des verstorbenen kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman, Miroslav, erhielt, wären dies mehr Stimmen, als Josipovic am Sonntag bekommen hatte.

Unsicher ist, ob Bandic bei der Stichwahl die Unterstützung aller rechtsorientierter Wähler erhält. "Er ist Konvertit-Kandidat der Rechten, biegsam, aber echte HDZ-Wähler werden ihn nicht unterstützen", so Lalic. Josipovic und Bandic würden in der Stichwahl nicht um die Stimmen der linksorientierten Wähler kämpfen. Nach Meinung von Lalic werde der SDP-Abtrünnige Bandic seine Unterstützer daher im rechtsorientierten Lager suchen. (APA)

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    Der Zagreber Bürgermeister Milan Bandic sei laut Politologen formal zwar Sozialdemokrat, politisch und seinem Stil her aber stehe er dem rechten Populismus viel näher.

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