Geldwäsche-Verdacht bei Hypo ohne Folgen

27. Dezember 2009, 18:13
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Problematische Finanzierungen der Kärntner Hypo fielen schon beim Verkauf an die BayernLB auf. Deren Due Diligence ergab "akut ausfallgefährdete Engagements"

Die Sorgen der Hypo Group sollten den Bayern vor dem Kauf bekannt gewesen sein. Der Due-Diligence-Bericht von Ernst & Young sprach 2007 von "akut ausfallgefährdeten Engagements" und zusätzlichem Vorsorgebedarf von 141 Millionen Euro. Bei der Hypo Kroatien fanden die Prüfer Hinweise in Richtung Geldwäsche-Verdacht, die folgenlos blieben.

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Wien - Die Probleme der Kärntner Hypo Group Alpe Adria mit ihren Golf- und Tourismusprojekten wie dem Schlosshotel Velden haben sich heuer zugespitzt - waren aber auch der Münchner BayernLB vor ihrem Einstieg in die Hypo Group im Mai 2007 bereits bekannt. Die einschlägigen Gesellschaften stehen wie berichtet unter dem Dach der Hypo-Tochter Kärntner Holding BeteiligungsAG (KHBAG) - und die lieferte schon 2008 ein negatives Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 20,3 Mio. Euro. Sie musste ihre Beteiligung an der Schlosshotel Velden GmbH um 21,5 Mio. auf 8,6 Mio. Euro abwerten. Berichte der Vorwoche, wonach die KHBAG insolvenzreif ist, wurden dementiert.

Beteiligt an Sorgenkindern 

Das problematische Kreditportfolio und das Faktum, dass "die Hypo an einigen akut ausfallgefährdeten Kreditnehmern über Beteiligungsgesellschaften mittelbar beteiligt ist" stellten die Ersteller des Due-Diligence-Berichts für die BayernLB, Ernst&Young, bereits am 18. Mai 2007 fest. Sie hielten den "Anstieg des Kreditvolumen von durchschnittlich 34 Prozent in den vergangenen Jahren" für "bemerkenswert", umso mehr als es eine "konzerneinheitliche Datenbasis zur Steuerung und Erfassung des Ausfallsrisikos" nicht gebe. "Konzentrationsrisiken" orteten sie vor allem bei der Tourismusfinanzierung in Kroatien.

Auch bei der Einstufung der Kredite riet man zu Vorsicht, sie weise "auf erhöhte Risiken hin, die Ratingeinstufung ist zu überprüfen".

In der zweiten Datenraumphase folgten Stichproben von 61 Kreditfällen, dabei wurde "zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf von 121 bis 141 Mio. Euro" festgestellt. Verschlimmerungen exklusive, denn: "Das Ergebnis der Stichprobenprüfung legt nahe, dass bei deren Ausweitung weiterer Risikobedarf erkannt würde", heißt es im Bericht.

Bei jenen "bemerkenswerten Einzelengagements", die Ernst& Young den Bayern vordividierte, fanden sich auch "akut ausfall- gefährdete" Tourismusprojekte. Etwa das der Skiper Gruppe in Istrien (171 Mio. Investitionsvolumen, Eigenmittel: zwölf Prozent; zunächst wurden Villen und Appartements errichtet, in der zweiten Phase ein Kempinski Hotel). Laut Bericht war "die erste Projektphase nicht rentabel, sodass sich ein Projektgewinn aus der Realisierung der zweiten Phase ergeben soll". Die Hypo-Banker zählten bei der Aufstockung des Kredits von 119 auf 149 Mio. Euro zu Ende 2006 folgende Problemstellungen auf: "Fehlender Eigenmittelersatz; nur teilweise rückgeführte Verkaufserlöse; bei einer Verwertung ... würde es für unser Haus zu einem Schaden in beträchtlicher Höhe kommen".

Der Status von Mitte März 2007 sah trist aus. Das Gesamtobligo betrug 122 Mio. Euro, davon 45 ohne Sicherheiten. "Auffällig" erschien Ernst&Young, dass "Laufzeiten zwischen 2012 und 2020" galten, die "nicht mehr dem Charakter einer Projektfinanzierung entsprechen". Zudem weise die Projektgesellschaft negatives Eigenkapital und Verluste aus. Und: 2007 habe sich die Hypo Alpe Adria Bank notariell so gebunden, dass "sie faktisch in eine Mitunternehmerschaft eintritt". Fazit: "Risikovorsorge von 20 bis 30 Mio. Euro erforderlich. Das Engagement ist akut ausfallgefährdet."

Dasselbe Zeugnis ergab die Prüfung des 49-Millionen-Kredits für ein Vier-Sterne-Hotelprojekt bei Zadar. An der Projektgesellschaft Borik hielt die kroatische Hypo-Consultants 46 Prozent. Schon 2005 musste der Kredit restrukturiert werden, im März 2006 borgte die Hypo weiteres Geld. Hypotheken und Sicherheiten: null. Der Grund: Wegen eines "Formfehlers" war Borik gar nicht als Eigentümer der Liegenschaft eingetragen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2009)

  • Die Perlen an der Adria erweisen sich als Mühlsteine für die Hypo.
    foto: standard

    Die Perlen an der Adria erweisen sich als Mühlsteine für die Hypo.

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