Schreiben für die Ohren

23. Dezember 2009, 19:55
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"Ein Vorhang aus Grün": Erzählungen von Eudora Welty, auch als Hörbuch erschienen

Wenn ich lese, dann höre ich, was auf der Seite steht. Ich weiß nicht, wessen Stimme es ist, die mir da vorliest; und wenn ich meine eigenen Geschichten schreibe, höre ich sie auch", gab Eudora Welty 1972 in einem Interview zu Protokoll. Das geschriebene und das gesprochene Wort sind zwar Zwillingskinder, dennoch ist da ein Unterschied, den manche Autoren stärker und bewusster wahrnehmen als andere.

Die 1909 in Mississippi geborene und 2001 ebenda gestorbene Schriftstellerin Eudora Welty war offenbar eine dieser auditiver veranlagten Schreiberinnen, weshalb sich ihre Erzählungen geradezu vorzüglich für Hörbuchfassungen eignen und einen ganz eigenen Sog entwickeln. Ein Vorhang aus Grün fasst drei davon auf eine CD: Lily Daw und die drei Damen, Ein ausgetretener Pfad sowie die titelgebende Geschichte.

Welty beobachtet extrem genau, ihre Figuren mäandern an den Ufern zwischen Ernst und Absurdität, Tragik und Komik. Außenseiter, seltsame Figuren. Es liest Senta Berger. Die Geschichten stammen aus Eudora Weltys erstem Erzählband, 1941 publiziert. Als eines ihrer literarischen Vorbilder nannte sie stets William Faulkner. Sie selbst war wiederum für Truman Capote ein Idol. 1973 erhielt sie für den Roman The Optimist's Daughter den Pulitzerpreis. Heute ist die Südstaatlerin, die auch als Fotografin Furore machte, kaum mehr bekannt. Schön, dass sie wieder entdeckt werden kann. Bei Kein & Aber ist auch der Erzählband in Buchform wieder neu aufgelegt erhältlich. (Ute Woltron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26./27.12.2009)

 

  • Eudora Welty, "Ein Vorhang aus Grün". € 16,90. Kein & Aber, Zürich 2009.
    foto: kein & aber

    Eudora Welty, "Ein Vorhang aus Grün". € 16,90. Kein & Aber, Zürich 2009.

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