Kontraproduktiv

23. Dezember 2009, 18:37
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Für säkulare Westler sind Kopf- und Schultertücher, Ganzkörpersäcke oder gar die Burka eine Irritation

Die Jungfrau Maria trägt auf den meisten Darstellungen ein Kopftuch, das zumindest die Haare bedeckt. Man kann davon ausgehen, dass eine junge jüdische Ehefrau in der römischen Provinz Judäa zumindest vor Fremden auch ihr Gesicht damit bedeckte.

Heute würde das auch traditionellen Christinnen nicht einfallen, während das Kopftuchtragen unter jungen Musliminnen eher zunimmt - auch in der europäischen Zuwanderergesellschaft. Damit ist das Hauptproblem zwischen den "christlichen" Europäern und den muslimischen Zuwanderern angesprochen. Für letztere ist die Religion in viel höherem Maß ein integraler Bestandteil des Lebens. Das wird auch ostentativ gezeigt. Für liberale, säkulare Westler sind die Kopf- und Schultertücher, die Ganzkörpersäcke oder gar die Burka jedoch eine Irritation, weil uns damit unter die Nase gerieben wird, dass hier jemand nach seinen, nicht den unseren Regeln leben will.

Trotzdem wären Verbote hier kontraproduktiv. Wenn die Kleidung eine untergeordnete Stellung der muslimischen Frau signalisiert - und das tut sie sehr oft -, dann muss man Frauen bei der Selbstbefreiung unterstützen. (RAU, DER STANDARD Printausgabe, 24./25./26./27.12.2009)

 

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