Griechische Tragödie lastet auf dem Euro

17. Dezember 2009, 17:49
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Eine neuerliche Herabstufung der Bonität Griechenlands schürt die Angst vor dem Staatsbankrott. Der Euro fiel aber nicht nur wegen der Athen-Connection auf ein Dreimonatstief

Athen/Frankfurt - Das kann teuer werden. Die zweite Herabstufung Griechenlands durch eine internationale Ratingagentur hat die Zinsen der Staatsanleihen am Donnerstag scharf nach oben getrieben. Was noch schwerer wiegt:Standard & Poor's hat die Bewertung nicht nur auf BBB+ geändert, womit Athen nicht mehr weit vom Ramsch-Status entfernt ist, sondern auch einen negativen Ausblick angefügt. Mit der nächsten Herabstufung ist somit im Frühjahr zu rechnen.

Die Rendite von Staatsanleihen, die für die Kosten des Schuldendienstes des Landes relevant ist, kletterte auf 5,67 Prozent. Damit ist die Verzinsung der Schulden für Athen fast doppelt so hoch wie für Berlin. Noch stärker stiegen die Preise für Papiere, mit denen man sich gegen den Ausfall von Staatsanleihen versichern kann. Die Herabstufung kann auch als schallende Ohrfeige für die griechische Regierung betrachtet werden, die erst diese Woche Sparpläne präsentierte. Demnach soll das Defizit 2010 von heuer mehr als zwölf auf neun Prozent gedrückt werden. Die Ankündigungen haben die Ratingagenturen ebenso wenig wie die EU beruhigt. Dass die Vorhaben in der Bevölkerung auf großen Widerstand (rechts stehender Artikel) stoßen, erhöht die Verunsicherung an den Finanzmärkten.

Gedrückter Euro

Wie schon in den letzten Tagen drückt die griechische Tragödie stark auf den Euro. Die Gemeinschaftswährung verlor gegen den Dollar rund 1,2 Prozent und fiel mit 1,435 ein neues Dreimonatstief. "Die Schuldenprobleme an der Peripherie der Eurozone können die gesamte Gemeinschaft unter erheblichen Druck setzen" , warnte Steve Barrow, Währungsstratege bei der Standard Bank. Investoren ängstigen sich, weil die Zweifel an einer allfälligen Rettung Griechenlands durch die Eurozone steigen. So betonte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag, dass jedes Land der Währungsunion für seine Finanzen verantwortlich sei. Auch der EU-Vertrag sieht keine Hilfsaktion der Eurozone vor, der Europäischen Zentralbank sind Stützungen eines Mitgliedslandes sogar untersagt.

Rettungsszenarien

Allerdings gehen die meisten Beobachter davon aus, dass man Athen notfalls auffangen würde, weil sich die Eurozone keinen Bankrott leisten könne. Eine mögliche Umgehungskonstruktion:Die EZBkauft Anleihen griechischer Banken, die das Geld an den Staatshaushalt weiterleiten. Auch die gemeinsame Begebung von Anleihen durch Euro-Staaten gilt als Variante - die Einnahmen würden dann unter den Ländern aufgeteilt.

Die Schwäche des Euro ist allerdings nicht gänzlich auf Griechenland zurückzuführen. So legte der Dollar auch gegen andere internationale Währungen zu, freilich weniger deutlich als gegenüber dem Euro. Als Auslöser gelten Aussagen von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke, wonach sich die Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten aufhelle.  (Reuters; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2009)

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    Mittlerweile wäre wohl allen lieber, die Tragödie spielte sich auf den Weltbühnen ab.

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