Neue Vorwürfe im Atomstreit

14. Dezember 2009, 18:24
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Ein geheimes Dokument aus dem Iran könnte belegen, dass Teheran an Sprengzündern für Atombomben forschen lässt

Nuklear-Experten bei der CIA und der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien prüfen nun dessen Inhalt.

London/Teheran/Wien – "Es sieht schlecht aus, kein Zweifel", sagt David Albright, ein früherer Waffeninspektor und Kenner des iranischen Atomprogramms, so weit man es eben kennen kann. Die Rede ist von einem geheimen Dokument aus dem Iran, das westliche Geheimdienste in die Hand bekommen haben und das seinen Weg zur britischen Tageszeitung Times gefunden hat. Die berichtete am Montag über das Papier, das in Farsi ein Vierjahresprogramm zur Entwicklung eines Neutronenzünders darlegt.

Ob das Papier echt sein könnte, ob es sich um reale Experimente handelte oder um eine Idee, wie Forschungen ausgerichtet werden könnten, das untersuchen derzeit Nuklearexperten bei der CIA und bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien.

In den von den Geheimdiensten auf Anfang 2007 datierten Unterlagen wird demnach die Nutzung einer Neutronenquelle beschrieben, die nur für die Entwicklung von Atomwaffen, nicht aber bei der zivilen Nutzung der Kernenergie zum Einsatz komme. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Sorgen über das iranische Atomprogramm seien aber "offenkundig" und basierten auf öffentlich zugänglichen Quellen. Auch die IAEO in Wien wollte am Montag nicht Stellung zu dem Dokument nehmen.

Der Westen, insbesondere die USA und Israel, beschuldigen den Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernkraft an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran bestreitet dies und beharrt darauf, dass sein Atomprogramm nur friedlichen Zwecken diene. Im September war bekannt geworden, dass der Iran den Bau einer zweiten Anlage zur Urananreicherung jahrelang verheimlicht hat.

Sollte es sich als echt erweisen, wäre das neue Dokument der bisher stärkste Hinweis auf ein militärisches Atomprogramm im Iran. Ein "casus belli" , ein Kriegsgrund, zitierte die Times den Sicherheitsexperten Mark Fitzpatrick vom Londoner Internationalen Institut für strategische Studien (IISS); wenn der Iran an Waffen arbeite, gäbe es keine diplomatische Lösung für den Atomstreit.

Barak fordert Sanktionen

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, Teheran mache bezüglich seines umstrittenen Atomprogramms widersprüchliche Angaben. Es bedürfe "strenger Sanktionen" gegen das Land, es sei aber nach wie vor an der Zeit für Diplomatie, sagte Barak, der sich am Montag zu Gesprächen mit der österreichischen Regierung in Wien aufhielt. Auch die EU sollte sich gegen ein militärisches Atomprogramm Teherans engagieren. Der Iran unterstützt Barak zufolge den "Terror" der Hamas und der Hisbollah.

Gegen drei junge US-Amerikaner, die vor knapp fünf Monaten an der irakisch-iranischen Grenze festgenommen wurden, eröffnet die Justiz nun ein Strafverfahren. Die zwei Männer und die Frau würden wegen Spionage vor Gericht gestellt, kündigte der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki an, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. (red, dpa, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 15.12.2009)

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    Während dem Iran im Streit um das Atomprogramm weitere Sanktionen drohen, bleiben die Fronten im Inneren hart. Anhänger von Oppositionschef Mussavi wurden verhaftet, weil sie Bilder des Revolutionsführers Khomeini zerrissen haben sollen. Mussavi war aber selbst Premier unter Khomeini; die Opposition trägt Grün.

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