"Immerhin ist jetzt ein Schlussstrich gezogen"

14. Dezember 2009, 15:51
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"Expansionsstrategie der Bayern kläglich gescheitert" - "Das kleinste Übel für die BayernLB"

Kommentare zur Verstaatlichung der Hypo Alpe Adria.

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www.tagesanzeiger.ch

"Die Hypo Alpe Adria ist nicht wegen komplizierten Derivatstrukturen gestrauchelt, die für die Finanzkrise anfänglich verantwortlich waren. Sie sitzt auf umfangreichen Krediten, deren Rückzahlung unwahrscheinlich geworden ist. Dieses Problem haben aber auch viele andere Banken in Europa, wie am Wochenende Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank festgestellt hat. ... In einer Rede ermahnte Trichet die Banker mit Nachdruck dazu, Gewinne zur Verstärkung ihrer Kapitalbasis, statt für Bonuszahlungen zu nützen. Die Konjunkturkrise führe zu einer Verschlechterung im Kreditportfolio vieler Banken, während die krisengeschwächten Bilanzen ohnehin noch nicht stabilisiert worden seien. ...

Künftig sollen nach dem Willen der Aufsichtsbehörden wenigstens jene Geschäftsbereiche von Banken in den Konkurs geschickt werden, die für die Verluste am meisten verantwortlich sind. Auch hier zeigt das jüngste Beispiel aus Österreich Grenzen auf. Die österreichische Regierung handelte anfänglich vorbildlich. Jede Bank, die Gelder vom Staat beanspruchen wollte, musste unter anderem einen sogenannten Restrukturierungsplan vorlegen, in dem die Geschäftsfelder der Zukunft umrissen sein sollen. ... Schliesslich zeigt das österreichische Beispiel auch, wie wenig die Aufsichtsbehörden zuweilen in der Lage sind, die Situation einer Bank richtig einzuschätzen. Bevor der österreichische Staat während dem Höhepunkt der Finanzkrise für die Hypo Alpe Adria Garantien im Umfang von 1,35 Milliarden Euro übernahm, liess sie deren Zustand durch die österreichische Nationalbank abklären. Diese kam zum Schluss, die Bank sei 'nicht notleidend'. Diese Fehleinschätzung erinnert an jene der Schweizer Aufsichtsbehörden, die der Grossbank UBS im Vorfeld der Finanzkrise geglaubt haben, sie würde bei einem Platzen der Immobilienblase in den USA sogar noch Geld damit verdienen."


www.ftd.de

"Schon die Umstände der Übernahme der Hypo im Jahr 2007 waren dubios, gegen den Ex-Chef der Landesbank, Werner Schmidt, wird bereits ermittelt. Im Raum steht der Verdacht der Bereicherung, mindestens aber des Größenwahns, der in der Idee kulminierte, die BayernLB zu einer europäischen Größe im Osten Europas zu machen, koste es was es wolle.

Schon jetzt hat der Freistaat die Landesbank mit 10 Mrd. Euro Eigenkapital vor der Pleite bewahrt, weitere Gelder soll es nicht geben. Wiewohl bei dem, was auf das Institut noch an Verlusten aus Kreditausfällen zukommt, nur schwer zu glauben ist, dass die Bank ohne weitere Hilfen auskommt. Das Hypo-Abenteuer der Bayern ist der vielleicht krasseste Beleg, was dabei herauskommt, wenn eine Bank ohne tragfähiges Geschäftsmodell in ihrer Verzweiflung auf Expansion setzt und die Risiken nicht überschauen kann. Immerhin ist jetzt ein Schlussstrich gezogen unter das ebenso kurze wie verlustträchtige Kapitel Hypo - die Aufarbeitung des Desasters hat aber gerade erst begonnen."


www.handelsblatt.de

"Mit ihrem Poker haben sie (Anm. die Bayern) von Anfang an richtig gelegen: Österreich war immer auf der schwächeren Verhandlungsseite. Wien hatte stets betont, dass die Hypo Alpe für sie eine systemrelevante Bank ist und dass der Staat das vor der Pleite stehende Kreditinstitut am Ende retten würde. Wer solch eine Vorgabe macht, der darf sich am Ende nicht wundern, dass es genau dieses Ergebnis herauskommt. Die BayernLB muss noch einmal gut 800 Millionen Euro hineinschießen. Das ist nicht sonderlich viel, die Bank aus München kommt damit vergleichsweise günstig weg.

Die BayernLB ist allerdings nur ein kurzfristiger Gewinner. Auf längere Sicht sind die Bayern vielmehr ein großer Verlierer. Ihre Expansionsstrategie nach Österreich und Osteuropa ist kläglich gescheitert. Es steht die wichtige Frage im Raum, warum sich die Bayern überhaupt auf ein solch waghalsiges Abenteuer einlassen konnten."


www.welt.de

"Dennoch ist diese Lösung angesichts der verfahrenen Lage in Klagenfurt wohl noch das kleinste Übel für die BayernLB. Sie hätte die HGAA-Beteiligung auf Druck der EU-Kommission ohnehin aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren abgeben müssen - und dass dabei auf absehbare Zeit ein ordentlicher Preis herausgekommen wäre, erscheint äußerst unwahrscheinlich. Mit der Einigung vom frühen Montagmorgen kauft sich die BayernLB nun von weiteren Verpflichtungen für die HGAA frei - und die könnten erheblich sein, drohen im Geschäft der Bank auf dem Balkan doch horrende Kreditausfälle. Damit müssen sich nun das Bundesland Kärnten und die Grazer Wechselseitige Versicherung zusammen mit der österreichischen Bundesregierung herumschlagen. Den Bayern kam zugute, dass vor allem für Kärnten noch mehr auf dem Spiel stand als für den Freistaat und seine lädierte Landesbank: Das Bundesland haftet mit 18 Milliarden Euro für Verbindlichkeiten der HGAA." (red)

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