Nokia: "Das iPhone ist mehr für Joe Six-Pack"

14. Dezember 2009, 12:25
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Der Handy-Hersteller will mit iPhone- und Blackberry-Konkurrenten zu alter Größe zurückfinden

In den vergangenen Monaten mussten sich einige Handy-Hersteller eingestehen, dass sie sich in ihrem Produktportfolio verrannt haben. Gegen iPhone, Blackberry und die aufstrebenden Android-Smartphones hatte Marktführer Nokia lange kein Gegenrezept und Anteile einbüßen müssen. Auf 37 Prozent weltweit ist der Marktanteil des Unternehmens zurückgegangen. In Espoo, dem Sitz des Unternehmens in Finnland, ist man davon überzeugt 2010 wieder durchstarten zu können.

Falsche Entscheidungen

Nokia hat in den vergangenen Jahren einige falsche Entscheidungen getroffen. So hat man etwa zu lange am Candybar-Design festgehalten, wo andere Hersteller längst den Markt-Trend zu Klapphandys erkannt haben. Bei Touchscreen-Handys hat man technisch - obwohl Nokia früher als Apple dran war - bislang nicht mit iPhone und Co gleichziehen können. Statt geschmeidiger kapazitiver Touchscreens setzt das Unternehmen noch immer auf resistive Displays.

Kein Vertrauen in Management

Nokia wird in allen Bereichen angegriffen. Am High-End-Markt konkurriere das Unternehmen mit Apple, im mittleren Sektor mit Blackberry-Hersteller RIM und bei Low-End-Geräten mit asiatischen Herstellern, so Citigroup-Analyst Sherief Bakr gegenüber der New York Times. Laut Bakr hätten die Investoren trotz guter Performance mit günstigen Handys auf Märkten wie Afrika oder Osteuropa kein Vertrauen mehr in das Management-Team. Die Aktien hätten seit September 20 Prozent verloren.

Nokia zu geekig

Doch während einige Nokia-Manager einsehen, dass man falsche Entscheidungen getroffen hat, mutet die Eigeneinschätzung von Vorstand Anssi Vanjoki etwas seltsam an. Nokia habe seiner Meinung nach deswegen noch nicht zu Apple und RIM aufschließen können, weil es eine zu geekige Community bedient habe. "Apple ist für den durchschnittlichen Typ. Es ist mehr für Joe Six-Pack als für Techno-Geeks. Aber wir verstehen Joe Six-Pack auch", so Vanjoki. Die Bezeichnung "geekig" trifft im aktuellen Portfolio aber wohl nur auf das N900 zu. Grade aber dieses Gerät mit Maemo 5 auf Linux-Basis gilt als derzeit eines der besten Pferde in Nokias Stall.

Zeitdruck

Neben dem N900 setzt Nokia auch in das N97 Mini oder das E72 große Hoffnungen im Konkurrenzkampf. Das Unternehmen hat mit dem Ovi Store und Comes With Music bereits Angebote gegen App Store und iTunes in Stellung gebracht. Offenbar ist auch ein neues Touchscreen-Gerät mit Blackberry-ähnlicher E-Mail-Lösung auf Symbian-Basis geplant. Konkurrenten, denen man ein Comeback schon nicht mehr zugetraut hätte, wie Palm oder Motorola, haben ihre Flaggschiffe bereits auf den Markt gebracht. Alle namhaften Hersteller sind mittlerweile auf den Android-Zug aufgesprungen. Analyst Bakr geht davon aus, dass Nokia weiß was falsch gemacht wurde und wie man es richtig machen könne. Die Frage sei nur, ob man diese Dinge noch zeitgerecht umsetzen könne. (red)

 

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    Nokia hat im vergangenen Portfolio mehrere Fehler gemacht und will das 2010 mit neuen iPhone- und Blackberry-Konkurrenten ausbügeln

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