Spuren im Sand, Katze im Lagerfeuer

11. Dezember 2009, 18:56
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In die Welt der Geister und Lieder entführt der Australier Adrian Hyland mit seinem ungewöhnlichen Krimi "Outback Bastard"

Emily Tempest kehrt nach langen Jahren als Weltenbummlerin in das Camp ihrer Aborigine-Verwandten zurück. Aber kaum ist sie angekommen, wird ein Mann umgebracht. Alle glauben, dass es ein Außenseiter des Clans war, ein Geistesgestörter, der für sich allein lebt und vor dessen Aggressivität sich alle fürchten. Hyland gibt einen mitreißenden Einblick in eine Kultur, die Menschen seit Jahrtausenden befähigt, in der lebensfeindlichen Wüste mit nahezu keinen Ressourcen zu überleben. Da ist schon eine im Lagerfeuer halb verkohlte Katze ein Leckerbissen.

Das ungebundene Nomadenleben ist begleitet von Staub, Tabus und Alkoholismus - Hyland romantisiert keine edlen Wilden, und er thematisiert auch die traditionellen Feindseligkeiten zwischen "Blackfellas" und "Whitefellas" , die sich verschärft haben, seit den Aborigines Land zurückgegeben wurde. Der Kampf um Weideland und mögliche Bodenschätze gegen "unproduktive" Traumpfade und heilige Orte: Da prallen Welten aufeinander, die schwer zu vereinen sind. Hylands Heldin Emily befindet sich zwischen den Fronten und ist entschlossen, den Mörder ihres alten Freundes zu finden. Sie entdeckt zwar das Versteck des verrückten Blakie, aber der ist zunächst schlauer als die Verfolger. Das alles hat Witz und Selbstironie und ist eine bemerkenswerte Bereicherung der Krimilandschaft. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 12./13.12.2009)

Link:
www.krimiblog.at

Adryan Hyland, "Outback Bastard". Deutsch: Peter Torberg. € 9,20 / 365 Seiten. Suhrkamp, Frankfurt/Main 2009

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    foto: suhrkamp
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