Skylink ab 15. Februar wieder in Arbeit

11. Dezember 2009, 19:50
11 Postings

Ein Totalübernehmer wird ab Herbst 2010 für die Fertigstellung von Skylink verantwortlich sein. Dem Vorstand sei "aus derzeitiger Sicht" kein Schaden anzulasten, sagt der Gutachter. Daher bleibt der Vorstand - vorerst

Wien - Frostige Stimmung herrschte im "Festsaal B" des Wiener Hotels Marriott, als die Flughafen-Vorstandsmitglieder Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid, Ernest Gabmann nebst Aufsichtsratschef Christoph Herbst, Gutachter Waldemar Jud und der Skylink-Projektverantwortliche Norbert Steiner zur Pressekonferenz kamen.

Gabmann musste bestätigen, was der Standard bereits vor Wochen berichtete: Für das Terminalprojekt Skylink wird jetzt ein Totalübernehmer gesucht, der auch das komplette Risiko bis zur Inbetriebnahme übernimmt. Weil die Ausschreibung EU-weit erfolgt, wird der Zuschlag erst im dritten Quartal 2010 erfolgen. Ein Totalübernehmer wird alle bis zur Übergabe getätigten Bauleistungen übertragen bekommen und auf eigene Verantwortung die weiteren Bautätigkeiten bis zur Inbetriebnahme leiten.

Verträge für Weiterbau unterzeichnet

Ab 15. Februar wird auf der Baustelle wieder gebaut. Die Verträge mit den wichtigsten Gewerken wurden unterzeichnet. Die Inbetriebnahme verschiebt sich neuerlich auf das erste Halbjahr 2012, die Kosten wurden mit 830 Millionen gedeckelt. Es handle sich um ein Worst-Case-Szenario, inklusive Reserven und Risikovorsorgen, betonte Gabmann. Der ehemalige ÖVP-Politiker gab sich euphorisch: "Skylink ist auf Schiene, wir sagen nichts, was wir nicht halten können." Einen Persilschein bekam der Flughafen-Vorstand von Gesellschaftsrechtler Waldemar Jud, der die Verantwortung im Vorstand über Skylink prüfen sollte. Im Auftrag des Aufsichtsrates erstellte er ein Gutachten, in dem er dem Kontrollgremium empfahl, "in der jetzigen Situation keine Maßnahmen auf Vorstandsebene zu setzen. Die Unternehmensentscheidungen waren im Rahmen des Ermessensspielraumes des Vorstandes." Dem Vorstand des Flughafens sei daher kein Schaden anzulasten.

Jud zu seinen Einschränkungen auf "derzeit": "Ich habe nur die derzeitige Sicht untersucht und kann nicht in die Zukunft schauen." Wie berichtet, prüft auch der Rechnungshof das Terminalprojekt, und es läuft eine gerichtliche Beweisaufnahme, die Anfang 2010 abgeschlossen sein sollte. Dort sollen Mängel aufgelistet werden, um künftig etwaige Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Gabmann rückblickend: "Der Zustand der Baustelle war holprig, weil es keine Pläne gab." Wertberichtigungen in der Bilanz aufgrund höherer Kosten seien nicht geplant, sagte Kaufmann. Derzeit seien 410 Millionen Euro aktiviert. Rücktrittsspekulationen wurden vom Airport-Chef entschieden zurückgewiesen. Er werde, so Kaufmann, seinen erst heuer verlängerten und bis 2014 laufenden Vertrag voll erfüllen.

Farbenlehre

Dass Kaufmann wirklich bis zum Ende im Amt bleibt, wird nicht erwartet. Anders als Schmid und Gabmann, die auf Wunsch der Haupteigentümer Wien und Niederösterreich bestellt wurden, sitzt Kaufmann auf einem freien Mandat, das noch aus der Zeit stammt, als die ÖIAG Anteile hielt. Weil die "Roten" im Aufsichtsrat mit einer Stimme die Mehrheit haben, ist seit zehn Jahren Kaufmann Vorstandssprecher. Geht Kaufmann, so dürfte ein neuer Chef von außen geholt werden, der "unverbraucht an die Sache herangehen kann" , sagen Insider. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.12.2009)

Share if you care.