Gegen die Sinnkrise

8. Dezember 2009, 18:55
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Vermutlich ist der Livestream als Motivation gedacht: Das Gremium leidet bisweilen unter mangelnder Anwesenheit seiner Mitglieder

Der ORF überträgt die Plenarsitzung im Publikumsrat am Mittwoch live im Internet unter publikumsrat.ORF.at. Das ist eine löbliche Maßnahme hinsichtlich maximaler Transparenz eines gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Räte verrichten redliche Dienste auf dem Küniglberg und setzen sich für die Interessen des Publikums ein. Es ist bestimmt kein Fehler, einmal reinzuschauen.

Allzu viele werden es vermutlich nicht sein, denn die öffentliche Übertragung der Plenarsitzungen ist, um es vorsichtig zu formulieren, bestenfalls für Eingeweihte spannend. Um nach Motiven für diesen Gang an die Öffentlichkeit zu suchen, hilft es vielleicht, wenn man nicht auf die Seite des Publikums, sondern auf jene des Gremiums schaut.

Vermutlich ist der Livestream ja als Motivationsmaßnahme gedacht: Bisweilen leidet das Gremium unter mangelnder Anwesenheit seiner Mitglieder. Wenn sich die Diskussionen jetzt im Lichte der Öffentlichkeit abspielen, fühlen sich vielleicht doch einige mehr zu regelmäßigem Kommen verpflichtet

Weiters machte sich unter den anwesenden Gremiumsmitgliedern zuletzt die Sinnkrise breit: Publikumsrat und Fernsehdoktor Siegfried Meryn bezeichnete die Sitzung als Psychotherapie: Bei Personalchef Reinhard Scolik bedankte sich Meryn, dass er sich die Zeit nehme, um als Therapeut für Publikumsräte aufzutreten. Mehr Aufmerksamkeit könnte die Stimmung aufhellen.

Als taktisches Manöver, ungebetene Medienjournalisten nach dem Motto "Willkommen ist, wer fernbleibt" an den Schreibtischen zu halten, kann die Aktion schon gar nicht gedacht gewesen sein: Der Versuch, Journalisten auszuschließen, ging schon beim Stiftungsrat schief. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 9.12.2009)

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    Tagungen hinter verschlossenen Türen sollen der Vergangenheit angehören.

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