Die zweite Etappe

4. Dezember 2009, 18:30
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In Afghanistan gibt es derzeit nur die Wahl zwischen einem schlecht und einem besser geführten Krieg

Die meisten europäischen Regierungen, die sich für die Sicherheitslage in Afghanistan und die Zukunft des Terrorismus interessieren, sind dem Ruf der USA gefolgt und haben mehr Truppen zugesagt. Es ist ein bedeutender Einschnitt im nun acht Jahre währenden Krieg gegen die Taliban und Al-Kaida, auch mehr als nur ein Vertrauensvorschuss der Europäer für Barack Obama und die Kurskorrektur des US-Präsidenten in Afghanistan. Die Verbündeten in der Nato holen Luft für die zweite Etappe. Der Zweifel freilich bleibt: Erleben wir das Finale dieses Kriegs oder aber den Beginn einer langen, unsteuerbaren Eskalation?

Klar sind nur zwei Dinge. In Afghanistan gibt es derzeit nur die Wahl zwischen einem schlecht und einem besser geführten Krieg, aber ganz sicher nicht die Option für einen Rückzug. Und - um den Worten des Nato-Generalsekretärs zu folgen: Alle neuen Anstrengungen der Nato-Länder und ihrer Partner in Afghanistan sind sinnlos, wenn sich die Regierung in Kabul nicht besinnt und gegen die Korruption in ihren eigenen Reihen ankämpft und den von ihr geduldeten und zum Teil wohl mitorganisierten Drogenhandel stoppt.

Ihr internes Dilemma hat die Nato aber weiterhin nicht gelöst. Das Risiko, das die Soldaten der Allianz eingehen, bleibt ungleich verteilt: Die einen kämpfen, die anderen patrouillieren. Vor allem die Debatte um den Beitrag der Deutschen wird das Bündnis deshalb weiter belasten. Aber auch kleine Beiträge können einen Unterschied machen. Finnland etwa will die Zahl seiner Militär- und Polizeiausbilder in Afghanistan um 25 auf 145 erhöhen. Finnland gehört bekanntlich nicht der Nato an. Das ist ein bisschen Stoff zum Grübeln für das Trittbrettfahrerland Österreich. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 5.12.2009)

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