Ein Anschlag und viele Kriege

4. Dezember 2009, 17:32
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Islamisten haben über weite Teile des Landes Kontrolle und beschuldigen Regierung

Mogadischu - Die größte islamistische Rebellengruppe in Somalia Al-Shabaab streitet ab, hinter dem Anschlag zu stecken, bei dem am Donnerstag in Mogadischu mindestens 22 Menschen getötet worden waren. "Es ist ein Komplott der Regierung gewesen" , sagte ein Sprecher der Gruppe am Freitag. Bei dem Attentat in einem Hotel waren auch drei Minister der vom Westen unterstützten Übergangsregierung gestorben.

"Wir wissen, dass einige sogenannte Regierungsvertreter den Tatort nur wenige Minuten vor dem Anschlag verlassen haben. Es ist also offensichtlich, wer hier hinter dem Anschlag steht" , sagte der Sprecher. Der Täter kam in Frauenkleidung zur Examensfeier einer medizinischen Hochschule. Die Benadir-Universität wurde 2002 von somalischen Ärzten gegründet, um angesichts ständiger Gewalt den medizinischen Nachwuchs zu sichern.

Al-Shabaab ("Die Jugend") war sofort des Anschlags verdächtigt worden, die Gruppe gilt als somalischer Al-Kaida-Ableger und hatte im September bei einem Anschlag auf das Hauptquartier der Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) 17 Soldaten getötet. Die somalische Regierung sagt, hunderte von ausländischen Kämpfern aus Afghanistan, Pakistan, der Golfregion und westlichen Ländern hätten sich Al-Shabaab angeschlossen. Die Aufständischen setzen in vielen Regionen die Scharia um, was viele Somalier schockiert, die traditionell moderate Muslime sind. Die Regierung selbst hat über weite Teile des Landes, besonders in der Mitte und im Süden, die Kontrolle an die Islamisten verloren. Seit 2007 starben im Kampf zwischen Regierung und Islamisten etwa 19.000 Menschen.

Das ostafrikanische Land ist seit nahezu zwei Jahrzehnten vom Bürgerkrieg zerrissen. An der Spitze der international anerkannten Regierung steht nunmehr der vom Westen als "moderat" eingestufte Sheikh Ahmed. 2006 war Äthiopiens Armee in das Nachbarland einmarschiert, nachdem Islamisten die Macht in Mogadischu übernommen hatten. Die Militärintervention erwies sich aber als Fiasko. Mehr als zwei Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. (awö, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 5.12.2009)

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    Ein Verwundeter des Anschlags von Donnerstag, der nach Nairobi zur Behandlung ausgeflogen wurde.

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