Rückendeckung vom Rektor

3. Dezember 2009, 17:03
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Wichteln, Weihnachten und Widerstand im Hörsaal A

Graz - "Fescher Hörsaal, sehr gemütlich", kommentierte Kabarettist Josef Hader den "befreiten" Hörsaal A der Grazer Karl-Franzens-Uni (KFU), als er dort unlängst vor 700 Besetzern auftrat. "Gemütlich" ist auch oft das Programm abseits der täglichen Plena.

Es ist nicht immer von dem einer Kinderkrippe zu unterscheiden: Brettspielabende oder ein "nicht konsumorientiertes, sondern besinnliches BesetzerInnen-Wichteln", bei dem sich am Mittwochabend jeder einen anonym zu beschenkenden Mitbesetzer für die Adventszeit ziehen durfte, wechseln sich mit politischen Filmabenden, einer für viel Unterhaltung sorgenden Lesung aus der Dissertation von Wissenschaftsminister Johannes Hahn oder Solidaritäts-Vorträgen von Lehrenden ab. 50 Lehrende unterstützen die Besetzer darüberhinaus auch in drei eigens gegründeten Arbeitsgruppen.

Ein widerständiger Kern richtet sich derweil ein, um länger zu bleiben: "Aufgeben tut man nur einen Brief, wir wollen auch über die Weihnachtsferien bleiben", so ein Besetzer im Standard-Gespräch. "Wir auch", betont ein Kollege der ebenfalls besetzten TUGraz.

Mit dem Rektorat zieht man an der KFU an einem Strang - und feiert erste Erfolge, wie die Zusage, dass es keine Zugangsbeschränkungen bei Masterstudien geben werde. Vor einer Woche trafen sich Rektorat, Senat und Vertreter der protestierenden Studenten. Danach ließ Rektor Alfred Gutschelhofer verlautbaren, dass man "mit den vorhandenen Mitteln etwa im Studienbereich in den kommenden Wochen Vorschläge erarbeiten und Maßnahmen umsetzen" wolle.

Zudem erwarte er sich "zusätzlich zu den 1,5 Millionen Euro, die man durch Umschichtung der Budgets für die kommenden drei Jahre zur Aufstockung von Lehrangeboten und Professuren zugesagt hat, entsprechend dem Studierendenzuwachs einen aliquoten Anteil der sogenannten Ministerreserve". Damit die Vorklinik in Graz besetzt bleiben kann, werden eigens zwei Säle im Annenhofkino von der Uni angemietet, wohin die Lehrveranstaltungen ausweichen.

Gegen die Besetzung ist nur die Aktionsgemeinschaft (AG). Sie versuchte vor zwei Wochen auf der Facebook-Seite "Haut sie raus" zur Rückeroberung des Hörsaal A zu mobilisieren. Der Abend wurde zur Mehrheitsfeststellung: 13 AGler trafen auf 300 Besetzer. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2009)

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