"Viele Forderungen erfüllt"

3. Dezember 2009, 17:02
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Rektorat hofft auf Ende der Besetzung zu Weihnachten

Salzburg - Vizerektor Rudolf Mosler macht aus seiner Besorgnis kein Geheimnis: Werde die seit fünf Wochen andauernde Besetzung eines Hörsaales im Uni-Gebäude am Rudolfskai in den Weihnachtsfeiertagen weitergeführt, "haben wir ein Problem". Universitätsmitarbeitern müssten Urlaube gestrichen werden, Überstunden würden zu enormen Mehrkosten führen. Aber auch inhaltlich gebe es laut Mosler für die Studenten keinen Grund mehr, die Blockade aufrechtzuerhalten: "Wir haben viele Forderungen erfüllt." Bei einer Besetzung über die Feiertage gehe es dann wohl nur noch um eine "billige Übernachtungsmöglichkeit".

Dass die Gesprächsbasis zwischen Besetzern und Universitätsleitung funktioniert, bestätigt man auch vonseiten der Aktivisten. Stolz verweist man auf die vom Rektorat gemachten Zusagen. Unter anderem soll es mehr Räume für studentische Aktivitäten, regelmäßige Hörerversammlungen und mehr Mitbestimmung in den Fachbereichsräten geben. Der derzeit besetzte Hörsaal wird den Studierenden kostenlos einmal pro Woche für politische Aktivitäten zur Verfügung gestellt. Die konkrete Umsetzung der Neuerungen wird in den kommenden Wochen von einer aus Studenten und Uni-Führung gebildeten Arbeitsgruppe besprochen.

Nur bei einem haben sich die Besetzer die Zähne ausgebissen. Dass es bei den Massenstudien wie Psychologie und Kommunikationswissenschaften in Hinkunft keine Aufnahmetests mehr geben soll, war der Universitätsleitung nicht abzuringen.

Ob man sich mit dem Erreichten zufrieden gibt und mit Beginn der Weihnachtsferien den Hörsaal wieder freigibt oder die Aktion verlängert, will man von Besetzerseite mit Hinweis auf "die Basisdemokratie" nicht sagen. Allerdings dürfte vielen der etwa 40 verbliebenen Aktivisten klar sein, dass man nicht auf ewig den Hörsaal in Beschlag nehmen könne.

Verlängert sich der Protest, droht jedenfalls, dass man Erkämpftes wieder verliert. Ob sich das Rektorat bei einer Besetzung über die Feiertage an die gemachten Zusagen weiterhin gebunden fühlt oder diese zurücknimmt, will Vizerektor Mosler im Gespräch mit dem Standard eindeutig beantworten. Es gebe natürlich einen "zeitlichen Zusammenhang" zwischen Besetzung und Verhandlungen: "Ewig geht das nicht." (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2009)

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