"Firewalls" sollen FACC schützen

3. Dezember 2009, 17:27
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Mit seinem neuen chinesischen Eigentümer XAC ist für Flugzeugzulieferer die Tür nach China weit offen

Wien - Der Verkauf von 91,25 Prozent des oberösterreichischen Luftfahrtzulieferers FACC an die chinesische Xian Aviation Company (XAC), Tochter des Avic-Luftfahrtkonzerns, ist nunmehr abgeschlossen. Donnerstag präsentierten der Industrielle Hannes Androsch und der Raiffeneisenbanker Ludwig Scharinger, die über die Salinen sowie die Beteiligungsgesellschaft ACC96,25 Prozent gehalten haben, die neuen Eigentümer in Wien. Fünf Prozent bleiben bei der ACC, 3,75 Prozent hält Walter Stephan, CEOvon FACC.

Stephan bleibt auch unter dem neuen Eigentümer Chef. Geng Ruguang, Vizepräsident der XAC-Mutter Avic Aircraft und jetzt FACC-Aufsichtsrat, versicherte, dass Standorte, Arbeitsplätze und Aufträge in Österreich erhalten bleiben. "Die rasante Entwicklung der chinesischen Luftfahrsindustrie bietet FACCRiesenchancen, und für uns ist es wichtig, uns in die Welt zu integrieren" , erklärte Geng. "Die Kapitalerhöhung und die Projekte, die wir einbringen, mindern die Risiken von FACC.

XAC war bereits bei den ersten Verkaufsversuchen 2007 imSpiel. Allerdings kam einVerkauf aufgrund des Widerstands des Miteigentümers Fischer (47,5 Prozent) nicht zustande. Erst nachdem Fischer Mitte 2008 an ACC (die Androsch und Scharinger zugerechnet wird) verkauft hatte war der Weg frei.

Bessere Kapitalbasis

Für FACC bedeutet die Übernahme eine wesentlich bessere Kapitalbasis als auch Expansionsmöglichkeiten. XAC wird das heuer geschrumpfte Eigenkapital um 60 Millionen Euro aufstocken. Damit soll FACC bei der Konsolidierung der Luftfahrtindustrie als "Tier 1" Lieferant mithalten können, der selbstständig Komponenten entwickelt. FACC ist bereits jetzt Lieferant für den von XAC entwickelten Regionaljet ARJ21.

Die Mehrheitsübernahme durch XACist der erste große Einstieg eines chinesischen Unternehmens in Zentraleuropa und die bisher größte chinesische Investition in Österreich. Der Staatskonzern mit 17.000 Mitarbeiter ist zuvor am Kauf eines deutschen Airbus-Werkes am Veto der deutschen Regierung gescheitert. In Österreich gab es solche Einwände nicht.

Dennoch musste FACC einen schwierigen Balanceakt gehen, da die meisten Produkte für Boeing oder Airbus US- und EU-Exportlizenzen unterliegen, die Ausfuhr oder Knowhow-Weitergabe an China verbieten. Um diese Lizenzen zu erhalten musste sich XAC zur Errichtung mehrerer "Firewalls" bei FACCverpflichten, die Einblick in diese Technologien verhindern sollen. XAC kann darum auch nicht direkt auf FACCzugreifen oder die Produktion dieser Teile nach China abziehen.

Bedenken musste FACCauch bei zwei weiteren Kunden zerstreuen:Derzeit errichtet der Zulieferer in Abu Dhabi für die Staatsholding Mubadala DevelopmentCompany ein Werk für Fluzeugkomponenten, das von Mubadala finanziert und von FACC betrieben wird. Eine vergleichbare Partnerschaft soll auch mit der russischen Luftfahrtindustrie eingegangen werden, für die FACC bereits Ingenieursleistungen erbringt.

An der von XAC in Hongkong gegründeten Eigentümergesellschaft, die den FACC-Anteil hält, ist der Finanzinvestor Advanced Treasure Ltd. zu zehnProzent beteiligt.. Dem Vernehmen nach plant XAC, die Gesellschaft an die Börse zu bringen. (Helmut Spudich, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4.12.2009)

  • Hannes Androsch und Ludwig Scharinger (3. v.re.) treten ab, XAC-Präsident Meng Xiangkai (re.)unterschreibt als neuer Eigentümer von FACC.
    foto: standard/hendrich

    Hannes Androsch und Ludwig Scharinger (3. v.re.) treten ab, XAC-Präsident Meng Xiangkai (re.)unterschreibt als neuer Eigentümer von FACC.

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