Nato glaubt an mehr als 5000 zusätzliche Soldaten

3. Dezember 2009, 17:34
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Rechtzeitig zum Treffen der Außenminister in Brüssel an diesem Freitag will die Nato den europäischen Beitrag zur Truppenaufstockung schon in der Tasche haben

Doch die Alliierten sind kriegsmüde.

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Brüssel/Berlin/Washington - Tapfer hält James Appathurai Kurs, auch wenn die Stimmung unter den Verbündeten nach Obamas Afghanistan-Rede noch keineswegs so optimistisch scheint. "Wir sind jenseits der Zahl 5000" , versichert der Sprecher der Nato am Donnerstag. "Auf der Grundlage dessen, was wir in den vergangenen 24 Stunden gehört haben, können wir sicher sagen, dass wir diese Zahl übertreffen werden."

Mindestens 5000 zusätzliche Soldaten hat der Generalsekretär der Allianz von den europäischen Verbündeten verlangt, damit sie ihren Beitrag zu der politisch heiklen Truppenverstärkung leisten. 30.000 Soldaten mehr für den Kampf gegen die Taliban hatte der amerikanische Präsident in einer Rede am Dienstagabend angekündigt und 2011 als Termin für den ersten Abzug. Noch am Mittwoch unterzeichnete US-Verteidigungsminister Robert Gates den Marschbefehl. Es könnten außerdem noch 3000 Spezialisten zusätzlich entsandt werden.

Gates trat gemeinsam mit Außenministerin Hillary Clinton und Stabschef Michael Mullen vor den außenpolitischen Ausschuss des US-Senats, um die Zweifel über die Afghanistanstrategie des Präsidenten zu zerstreuen. Stattdessen hörten sie nur mehr Kritik: Republikaner wie Demokraten stellen sich gegen den Afghanistan-Plan - zu unlogisch sei er, zu teuer, zu ungewiss der Ausgang des ganzen Feldzugs. Und dann ist da noch die laue Reaktion der Europäer.

Bis zum Beginn des Nato-Außenministerrats in Brüssel am Donnerstagabend haben nur eine Handvoll Staaten im Bündnis mehr Soldaten zugesagt. Polen will noch einmal 600 schicken, Portugal 150, die Slowakei 250, das neue Natomitglied Albanien 35, der Nato-Anwärter Georgien 900. Italien überlegt eine Zahl um 1000. Doch gleichzeitig steht der schon angekündigte Rückzug der kanadischen und niederländischen Kampftruppen aus Afghanistan an - immerhin 2800 und 2100 Soldaten. Die türkische Regierung will keine Kontingente nach Kabul schicken.

Berlin zögert

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt zwar die Strategie Obamas, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Doch mit einer fixen Zusage, dass dort auch die deutschen Kräfte verstärkt werden könnten, zögert sie. Darüber will Berlin erst nach der internationalen Afghanistankonferenz Ende Jänner entscheiden. In der deutschen Hauptstadt geht man davon aus, dass die USA rund 2000 mehr Soldaten aus Deutschland erwarten. Derzeit können bis zu 4500 Deutsche am Hindukusch eingesetzt werden, der Bundestag verlängerte das Mandat am Donnerstag um ein Jahr, ohne aber die Zahl der Soldaten zu erhöhen.

Doch trotz Merkels momentaner Zurückhaltung kann Obama ziemlich sicher mit deutscher Unterstützung rechnen. Berlin ist allerdings interessiert, weniger Soldaten und mehr Helfer für zivile und polizeiliche Aufgaben zu entsenden. (mab, bau, APA, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2009)

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    Warten auf den zweiten Akt: McChrystal auf dem Flug nach Kabul. Der US-Kommandeur in Afghanistan hat die massive Truppenaufstockung bekommen, die er wollte. Nun sind die Europäer gefragt.

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