Strenge Regeln bei Fremdwährungskrediten

2. Dezember 2009, 18:53
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"Vienna Initiative" sammelt Vorschläge - Banken sollen sich künftig neuen Verhaltensregeln freiwillig unterwerfen

New York - Die vom Gewinnbringer zum Sorgenkind mutierten Fremdwährungskredite der Banken in Osteuropa sollen zukünftig nach strengeren Regeln vergeben werden. Die Banken selbst und der Währungsfonds (IWF) wollen verhindern, dass aus der ungezügelten Vergabe solcher Kredite neue Probleme entstehen. In der Praxis werden seit dem Ausbruch der Finanzkrise weder in Ost- noch Westeuropa kaum neue Fremdwährungskredite privat vergeben.

In einem Workshop, heute Donnerstag, sollen Verhaltensregeln, denen sich die Banken freiwillig unterwerfen sollen, erarbeitet werden. In der "Vienna Initiative" genannten Arbeitsgruppe sollen 40 Personen Ideen sammeln und Vorschläge unterbreiten. So sollen Fremdwährungskredite nicht mehr für Konsumgüter vergeben werden und Devisenkredite für Eigenheime an strengere Konditionen gebunden sein.

Kreditklemme

Zudem will man auch Wege finden, um den Kreditmarkt in lokaler Währung anzukurbeln, weil sonst eine Kreditklemme entstehen könnte. Die Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und der IWF müssten helfen, diesen Kreditmarkt in Gang zu bringen. Fremdwährungskredite erfreuten sich in Mittel- und Osteuropa in den Boomjahren großer Beliebtheit, da sie oft leichter zu bekommen waren als Kredite in lokalen Währungen. Viele Konsumenten kauften deshalb Fernseher, Autos und Zweitwohnsitze mit Krediten in Schweizer Franken oder Euro. Selbst Bauern bezahlten ihre Mähdrescher mit fremden Devisen.

Solange die Konjunktur brummte, funktionierte das prächtig: Die Wirtschaft wuchs stärker als im Westen, osteuropäische Währungen legten zu, womit sich gleichzeitig die Tilgung verbilligte. Nicht zuletzt verdienten die in Osteuropa engagierten Banken prächtig mit dem Geschäftsmodell. Allein Österreichs drei Großbanken, führend in der Region, vergaben Fremdwährungskredite in Höhe von 80 Milliarden Euro.

In der Wirtschaftskrise jedoch hatte diese Praxis schlimme Folgen. Durch den Wertverfall osteuropäischer Währungen können viele Konsumenten die Kredite nicht mehr bedienen, die Zahl der faulen Kredite stieg deshalb dramatisch. Die Banken mussten bereits faule Kredite von hunderten Mio. Euro abschreiben. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2009)

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