128 Pilgerstätten der Wissenschaft

1. Dezember 2009, 20:31
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Der "Geek-Atlas" listet Reiseziele auf, die Forschungsfreaks besucht haben sollten

Österreich ist im Geek-Atlas zwar nur mit einem einzigen, dafür umso kurioseren Ort vertreten. Die heimische Kultstätte, an der "Wissenschaft und Technik lebendig wird" (so der englische Untertitel wörtlich ins Deutsche übersetzt), ist für John Graham-Cumming ausgerechnet der Wiener Zentralfriedhof. Dort nämlich ruht auch der legendäre Physiker und Mathematiker Ludwig Boltzmann, auf dessen Grabstein das von ihm selbst formulierte zweite Gesetz der Thermodynamik verewigt ist.

John Graham-Cumming, der als ein "umherstreunender Programmierer" bezeichnet wird und seinen Doktortitel mit einer Arbeit über Computersicherheit erwarb, hat in seinem eben auch auf Deutsch erschienenen Atlas für Geeks (also schwärmerische Wissenschafts-Freaks) 128 Orte rund um den Globus versammelt, die eine besondere Bedeutung für Forschung und Technik der Vergangenheit und Gegenwart haben.

Weil Graham-Cumming die meiste Zeit seines Berufslebens als Programmierer in den USA und in England verbrachte, liegen die Schwerpunkte seines unkonventionellen Reiseführers auch auf diesen beiden Ländern: Mehr als ein Drittel der Reiseziele liegen in den USA, darunter die Garage von Bill Hewlett und Dave Packard in Palo Alto. Großbritannien ist mit mehr als 40 Pilgerstätten der Wissenschaft vertreten, nicht zuletzt mit der südostenglischen Ortschaft Downe, wo Charles Darwin sein vor 150 Jahren veröffentlichtes Hauptwerk Über die Entstehung der Arten verfasste.

Bei jedem der 128 Einträge wird zunächst einmal der Ort auf vier bis sechs Seiten anschaulich vorgestellt, inklusive praktischer Besucherinformationen. Für jede wissenschaftliche Sehenswürdigkeit sind auch die geografischen Daten angegeben, und die Website zum Buch präsentiert die entsprechende Google Map. Die Länder sind freilich etwas verzerrt dargestellt: So etwa fehlt bei Österreich der nordöstliche Teil.

Die deutschsprachigen Nachbarn kommen übrigens auch nicht viel großzügiger bemessen vor: Die Schweiz hat neben dem Cern noch das historische Museum in Bern zu bieten, wo Einsteins Annus mirabilis dokumentiert wird. Eine der fünf deutschen Kultstätten ist ebenfalls ein Friedhof: der von Göttingen mit der höchsten Nobelpreisträgerdichte überhaupt.

Ein Wissenschaftsort ist keinem Land zugeordnet: Der magnetische Nordpol, der sich außerdem "jeden Tag 80 Kilometer auf einer ungefähr ovalförmigen Bahn" bewegt. Den genauen Weg erfrage man laut Graham-Cumming übrigens beim Wirt im Qausuittuq Inn in der nordkanadischen Ortschaft Resolute Bay. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2009)

 


Buchtipp
John Graham-Cumming: "Der Geek-Atlas: 128 Orte auf der Welt, um Wissenschaft & Technik zu erleben". Euro 25,60 / 572 S. Köln, O'Reilly 2009

Link
www.geekatlas.com

  • Artikelbild
    foto: o'reilly
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