Mord an Wirtsehepaar: "Lebenslang" für Angeklagten

30. November 2009, 20:05
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Der Angeklagte hatte die Tat bis zuletzt geleugnet und legte Berufung ein - Wirtstochter: "Ich werde das Gesicht des Täters nie vergessen"

Korneuburg - "Wir sind gegen 22.30 Uhr zu Bett gegangen" , erinnert sich der 20-jährige damalige Freund der Wirtstochter an den Pfingstmontag dieses Jahres. Zehn Minuten später hatten sie ein Geräusch gehört. Er glaubte, es waren Schüsse - die Freundin ging hinunter, um im Heurigenlokal ihrer Eltern Nachschau zu halten.

Er schaute vom oberen Treppenabsatz hinunter. Sie öffnete unten die Türe, schrie, flüchtete die Treppe hinauf - ihr Freund sah noch, wie der Einbrecher ihr in den Rücken schoss. Dann flüchtete der junge Mann durch ein Fenster auf den Balkon und ist "auf das Dach vom Nachbarhaus ummig'stiegen" .

Von dort oben sah er noch, wie ein weißer Peugeot 205 ohne Licht davonraste und ohne anzuhalten die Hauptstraße überquerte. Anschließend kletterte der junge Mann wieder ins Haus zurück, alarmierte die Polizei und hielt dann bis zu deren Eintreffen die Hand seiner schwer verletzten Freundin. "Ich hab mit ihr geredet, damit sie munter bleibt."

Einen weißen Peugeot hatten die Tage zuvor viele Zeugen in der Gegend rund um Bruck an der Leitha gesehen. Manche hatten auch den Fahrer erkannt: den angeklagten Bulgaren Rangelov T.

DNA-Gutachten belastete

Jener bleibt auch am dritten Verhandlungstag dabei: Er sei das nicht gewesen. Dabei hatte ihn zuvor das DNA-Gutachten schwer belastet. Denn im Heurigen waren "Mischspuren" gefunden worden - mit den genetischen Merkmalen von zwei bis sechs Personen.

Vor allem eine Spur am Hinterausgang war für die Gutachterin Christa Nussbaumer gut zu analysieren. In ihr konnten zehn Merkmale des Angeklagten identifiziert werden. Kurz: "99 Prozent der Bevölkerung können ausgeschlossen werden" , sagt Nussbaumer. Und: "Man kann davon ausgehen, dass diese Spur nur von Ihnen hinterlassen wurde" , sagt sie dem Angeklagten.

Dazu kommen die Patronenhülsen: Ein paar waren im Heurigenlokal sichergestellt worden - und eine, die eindeutig von der gleichen Waffe abgefeuert worden war, neben dem Haus des Angeklagten in Bulgarien. Auf jener Hülse fand sich auch eine DNA-Spur. Da die Patronenhülse aber stark verwittert war, sei die Analyse "nicht komplett aussagekräftig" , aber es sei "nicht auszuschließen" , dass die Spur vom Angeklagten stamme, sagt Nussbaumer.

Vor allem aber wird der Angeklagte von der Aussage der damals schwer verletzten Wirtstochter schwer belastet. Jene hatte in den Schankraum geschaut, als ihr Vater bereits tot auf dem Boden lag und der Einbrecher ihrer Mutter eine Waffe an den Kopf hielt. Später hatte sie noch gehört, wie der Einbrecher ihre Mutter erschoss.

"Ich werde das Gesicht des Täters nie vergessen" , zitiert Richterin Karin Santa die Aussage der Tochter. Diese habe "deutlich" gesagt, dass sie den angeklagten Bulgaren als Täter wiedererkenne. "Was sagen Sie dazu?" , will Santa von Rangelov T. wissen. Der 48-Jährige bleibt dabei: "Das kann nicht die Wahrheit sein."

Schuldig

Die Geschworenen sprachen den Angeklagten nach eineinhalbstündiger Beratung schuldig, es wurde eine lebenslange Haft verhängt. Rangelov T. legte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Richterin Karin Santa verwies in der Urteilsbegründung auf das lange und einschlägige Vorstrafenregister in Deutschland - und dass die Bluttat wegen eines geringfügigen Betrages begangen worden sei. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 1.12.2009)

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