Der Weltcup, ein Ausscheidungsrennen

30. November 2009, 18:24
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Die Serie an Unfällen im alpinen Rennsport reißt nicht ab, Debatten über die Sicherheit bleiben aus - Lanning droht Karriere-Ende

Lake Louise - Gerade acht Rennen ist die neue Saison des alpinen Skiweltcups bei Damen und Herren alt. Und für mehr als ein halbes Dutzend Läuferinnen und Läufer ist sie verletzungsbedingt auch schon wieder beendet. Seit Sonntag steht fest, dass Abfahrtsweltmeister John Kucera seine olympischen Heimspiele in Vancouver nicht schmücken wird. Der 25-Jährige brach sich beim Sturz im Super-G von Lake Louise das linke Schien- und Wadenbein. Kucera wurde bereits in Banff operiert. "Sehr schade, dass der wunderbare Tag von diesem Sturz überschattet wird" , sagte Kuceras Teamkollege Manuel Osborne-Paradis, der vor den Österreichern Benjamin Raich und Michael Walchhofer triumphiert hatte.

Schwere Unfälle gab es schon vor der Saison zuhauf. Ende September erlitt Lara Gut, die Kombinations-Vizeweltmeisterin, eine Hüftluxation. Die 18-jährige Schweizerin wird Olympia ebenso verpassen wie der italienische Super-G-Vizeweltmeister Peter Fill, der sich beim Training in Argentinien schwer verletzte. Schien- und Wadenbein brach sich im Training auch die US-Amerikanerin Resi Stiegler. Mit einigem Glück mit dem Leben davongekommen ist der finnische Slalomfahrer Marcus Sandell, dem nach einem Trainingssturz im Pitztal eine Niere entfernt werden musste.

Im allerersten Saisonrennen, dem Damen-Riesentorlauf zu Sölden, erlitt die Tirolerin Nicole Hosp beim Comeback nach langer Verletzungspause einen Kreuzbandriss. Im Riesentorlauf am Samstag in Aspen dürfte sich Denise Karbon schwer am Knie bedient haben. Die Italienerin beendete das Rennen zwar als Neunte, bangt aber wegen eines Meniskusschadens um Olympia.

Lannings Leiden

Ob der US-Amerikaner Thomas Lanning, der in der Abfahrt von Lake Louise stürzte, je wieder Skifahren können wird, ist offen. Der 25-Jährige brach sich bei seinem an Matthias Lanzingers Unglück gemahnenden Unfall einen Nackenwirbel und erlitt eine schwere Luxation im linken Knie. Wie stark Bänder und Gefäße in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist noch offen. Lanning war schon bisher vom Pech verfolgt. Einem Nasenbeinbruch 2006 folgte 2008 ein Meniskusriss. Im Jänner dieses Jahres erlitt der Mann aus Park City auf der Streif einen Kreuzbandriss. "Er ist stark, er kommt auch jetzt wieder zurück" , glaubt US-Cheftrainer Sasha Rearick.

Benjamin Raich, einer der wenigen Spitzenfahrer, der noch nie schwer verletzt war, hält die breiten Ski für eine der wichtigsten Unfallursachen. Die FIS hatte vor zwei Jahren aus Sicherheitsgründen die Standhöhen verringert, die Ski aber verbreitert. "Ich verstehe nicht, warum sie nicht kapieren wollen, dass diese Ski aggressiver und gefährlicher sind" , hatte Raich vor den Rennen in Lake Louise erneut erklärt. Raichs Partnerin Marlies Schild, glückliche Zweite des Slaloms von Aspen, setzt eher auf Eigenverantwortung. "Jeder entscheidet für sich selbst, wie er damit umgeht." (APA, sid, lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE 1.12. 2009)

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    John Kucera mit Sanitäter auf dem Weg in den Rettungshubschrauber. Der regierende Abfahrtsweltmeister wird bei seinen olympischen Heimspielen in Vancouver nur zusehen.

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