Thomas Cook geht auf Brautschau

30. November 2009, 16:26
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Frankfurt - Der Reisekonzern Thomas Cook nimmt auf der Suche nach Zukäufen den deutschen Markt ins Visier. Dabei wirft Firmenchef Manny Fontenla-Novoa auch eine Auge auf den Konkurrenten Rewe Touristik, der bis vor kurzem noch als möglicher Käufer von Thomas Cook galt. "Eine echte Konsolidierung kann es nur zwischen uns und Rewe geben", sagte Fontenla-Novoa am Montag.

Sowohl bei Cook als auch beim Kölner Konkurrenten herrsche Einigkeit, dass eine derartige Verbindung Sinn mache, sagte Fontenla-Novoa. Dennoch gebe es derzeit keine Gespräche, und es sei unwahrscheinlich, dass es zu Übernahmeverhandlungen komme. Tatsächlich ließ der Korb aus Köln nicht lange auf sich warten: "Gespräche mit Cook über eine Konsolidierung sind für uns kein Thema", sagte ein Rewe-Sprecher.

Cook hat nach eigenen Angaben aber einen Plan B und will die Konsolidierung der Branche in den kommenden Monaten vorantreiben. "Wir fassen Zukäufe in Deutschland ins Auge, das ist gar keine Frage", sagte der Firmenchef. Die Suche nach einem geeigneten Ziel habe derzeit Priorität. Mit dem aggressiven Auftreten stellt der weltweit zweitgrößte Reisekonzern nach TUI Travel sein neues Selbstbewusstsein zur Schau, nachdem das Unternehmen noch vor wenigen Monaten selbst als Übernahmeziel gehandelt wurde und Rewe als wahrscheinlichster Käufer galt. Grund war damals die Pleite der ehemaligen Mutter Arcandor. Deren Gläubigerbanken hatten die Anteile schließlich über den Markt verkauft und Cook somit zum eigenständigen börsennotierten Unternehmen gemacht.

Die genossenschaftlich organisierte Rewe, die auch in Österreich (Billa, Merkur, Bipa, Penny) vertreten ist, hatte damals von einer Übernahme abgesehen. Das Unternehmen fürchtete einen langwierigen Restrukturierungsprozess, da es viele Überschneidungen zwischen den beiden Firmen gibt. Sowohl Rewe (ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg) als auch Cook (Neckermann) sind im Pauschalreisegeschäft aktiv. Cook war 2007 aus dem Zusammenschluss des KarstadtQuelle-Tourismusgeschäfts mit dem britischen Konkurrenten MyTravel entstanden.

Dividenden-Plus

Im vergangenen Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende September) steigerte Cook trotz Buchungsflaute infolge der Wirtschaftskrise seinen Nettogewinn auf 18,3 nach 10,6 Mio. Pfund (11,6 Mio. Euro) im Vorjahr. Die Dividende soll um zehn Prozent auf 10,75 Pence steigen. Der Umsatz legte um sechs Prozent auf 9,3 Mrd. Pfund zu, wobei der Konzern vom starken Euro profitierte. Wie die Konkurrenz hatte auch Cook angesichts der sich abzeichnenden Buchungsflaute bereits im Vorfeld seine Kapazitäten reduziert, um die Reisen nicht zu Schleuderpreisen verkaufen zu müssen.

Auch im laufenden Jahr prägt die Zurückhaltung der Kunden das Geschäft. In Großbritannien liegen die Buchungen für die Wintersaison um elf Prozent unter dem Vorjahreszeitraum, in Kontinentaleuropa um zwölf Prozent, obwohl die Preise hier um sieben Prozent gefallen sind. "Der Markt ist sehr, sehr schwierig", sagte Fontenla-Novoa. Dies werde sich 2009 nicht mehr ändern, wenn die Arbeitslosigkeit wie erwartet steigt.

Finanziell hat Cook nach eigenen Angaben genügend Spielraum, obwohl die Nettoverschuldung durch einen Aktienrückkauf und mehrere Zukäufe im Jahresvergleich auf 675 von 292 Mio. Pfund gestiegen war. Verhandlungen über die für kommenden Sommer geplante Ablösung einer im Mai 2011 auslaufenden 1,8 Mrd. Euro schweren Kreditlinie seien im Gang. Die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung sieht Cook derzeit nicht. (APA/Reuters)

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