Unhaltbare Beweise

30. November 2009, 16:13
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Das Kabarettistenpärchen befasst sich in "Brutal normal" mit dem ewigen Kampf der Geschlechter

Ein Thema, so alt wie die Menschheit, als heitere Spiele-Show: Der Kampf der Geschlechter wird von Weinzettl und Rudle in Brutal normal ausverhandelt. Nach Paaranoia und Wir müssen reden handelt es sich um das dritte Programm, in dem sich das Kabarettistenpärchen Beziehungsfragen, Liebesglück und Alltagsfrust widmet - auf an Banalität grenzendem Niveau.

Zwei Schneiderbüsten, "Puppi" und "Man(n)di" , dienen dabei als Spielfiguren, die jeweils ein Feld vorrücken dürfen, wenn Er oder Sie eine Aufgabe à la "Beweise, dass Männer wehleidiger veranlagt sind als Frauen" oder "Beweise, dass Frauen Regeln aufstellen, um sie selbst zu brechen" lösen. So wird gar manches bewiesen, etwa dass Männer nicht kompromissfähig sind, dafür zielstrebig und lösungsorientiert; Frauen dagegen "machen sich nur auf den Weg, kommen aber nicht an, weil sie vergessen zu tanken".

Dafür sind Frauen sensibler, hören zwischen den Zeilen, sind außerdem "romantisch" veranlagt und finden Mrs. Doubtfire "süß". Frauen ekeln sich hysterisch vor Nacktschnecken, während Männer ein quasi natürliches Interesse daran haben. Natürlich sind Frauen zu dämlich zum Autofahren, nennen ihr Gefährt Karli, weil am Ford "Ka" draufsteht, und natürlich muss ein Mann erst die Motorradhandschuhe aus der Garage holen, wenn er den Braten aus dem Ofen nimmt - und natürlich denkt er 27-mal in der Sekunde an Sex (wenn nicht gerade an Fußball).

Werden also sämtliche Rollenklischees der Geschlechter hier aus der Mottenkiste geholt, um sie mit den subtilen Mitteln feinsinnigen Humors, der schärfsten Waffe gelungenen Kabaretts, zu überzeichnen? Um sie zu entlarven oder gar aufzubrechen? Die brutal normale Wahrheit: Hier werden sie mit lauem Schmäh zementiert und mit ein paar schlüpfrigen Wuchteln untermauert. Aber keine Sorge: Am Ende haben wir uns eh alle wieder lieb. (Stefan Mayer, DER STANDARD/Printausgabe, 01.12.2009)

1. 12., Uni Klagenf.; 3. 12., Wien, Kulisse, jew. 20.00

  • Wahrheiten aus der Mottenkiste: Weinzettl und Rudle verhandeln Geschlechterklischees.
    foto: haliklik.at

    Wahrheiten aus der Mottenkiste: Weinzettl und Rudle verhandeln Geschlechterklischees.

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